Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die fünfthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Fast alle Fälle stehen im Zusammenhang mit Humanen Papillomviren (HPV). Die gute Nachricht: Gebärmutterhalskrebs lässt sich heute durch Vorsorge und Impfung oft vermeiden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen es, Zellveränderungen früh zu erkennen und zu behandeln, bevor Krebs entsteht.1,2
Umso wichtiger ist es zu wissen, was dahintersteckt – und welche Möglichkeiten es gibt, sich zu schützen: Wie entsteht Gebärmutterhalskrebs? Was hat HPV damit zu tun? Und warum spielt die regelmäßige Vorsorge eine so große Rolle?
Wir haben Frauen in Deutschland gefragt, was sie über Vorsorge und HPV wissen.³ Was dabei auffällt: Nur jede zweite Frau geht überhaupt regelmäßig zur gynäkologischen Vorsorge – der Bedarf an Aufklärung ist groß.
Nur 52% der Befragten gehen regelmäßig zur gynäkologischen Vorsorge.
Nur 15 % fühlen sich gut über HPV-Tests informiert.
51 % wissen nicht, dass HPV sexuell übertragbar ist.
Nur die Hälfte der Befragten weiß, dass sich Frauen und Männer gegen HPV impfen lassen können.
Welche Check-ups stehen wann an? Unsere Übersicht zeigt dir die wichtigsten Vorsorge- und Früherkennungsangebote auf einen Blick.
HPV ist weit verbreitet. Die Viren werden über Schleimhäute übertragen – meist bei intimen Kontakten wie Sex, Petting oder Küssen. Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit HPV – oft, ohne es zu merken. Denn in vielen Fällen heilt die Infektion von selbst wieder ab. Wichtig dabei: HPV ist häufig, eine Krebserkrankung als Folge jedoch selten.⁴
Mehr als 200 HPV-Typen sind bekannt, rund 40 davon können den Genitalbereich befallen.² Dabei unterscheidet man zwischen Niedrigrisiko-Typen, die zum Beispiel Feigwarzen verursachen können, und Hochrisiko-Typen. Letztere können Zellveränderungen hervorrufen, aus denen sich Gebärmutterhalskrebs entwickeln kann.⁵
Rund 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs, medizinisch auch Zervixkarzinom genannt, werden durch die Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18 verursacht.² Meist verschwindet eine HPV-Infektion innerhalb von sechs bis zwölf Monaten von selbst.
Bleiben Hochrisiko-Typen jedoch über längere Zeit im Körper und siedeln sich am Gebärmutterhals an, können sich dort Zellen verändern. Daraus können zunächst Krebsvorstufen und später Gebärmutterhalskrebs entstehen. Dieser Prozess dauert meist viele Jahre: Zwischen einer HPV-Infektion und der Entstehung von Krebs können zehn bis 30 Jahre liegen.⁵
Gerade deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen so wichtig – denn sie ermöglichen es, Zellveränderungen früh zu erkennen.
Moderatorin und Aktivistin Vreni Frost spricht offen über ihre HPV-Erkrankung und ihren Behandlungsweg. Erfahre im Interview, warum Vorsorge und die HPV-Impfung für alle Geschlechter wichtig sind.
Beim Thema HPV gibt es ein Präventions-Duo: Die HPV-Impfung kann vor bestimmten Hochrisiko-Typen schützen. Die Früherkennung hilft dabei, Zellveränderungen rechtzeitig zu entdecken. Wichtig ist: Auch wer gegen HPV geimpft ist, sollte regelmäßig zur Früherkennung gehen. Denn die Impfung kann das Risiko deutlich senken, bietet aber keinen vollständigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs.
Welche Untersuchung zur Früherkennung vorgesehen ist und wie oft sie stattfindet, hängt vom Alter ab. Sie sind schnell, in der Regel schmerzfrei und werden von den Krankenkassen übernommen.⁶ Bei bestimmten auffälligen Befunden können ergänzend Biomarker-Tests zur weiteren Abklärung eingesetzt werden.
20 bis 34 Jahre
1 × jährlich: Pap-Test
Beim Pap-Test, auch Pap-Abstrich genannt, werden Zellen vom Gebärmutterhals entnommen und auf Veränderungen untersucht.
Ab 35 Jahren
Alle 3 Jahre: Ko-Testung Pap- und HPV-Test
Zusätzlich zum Pap-Test wird geprüft, ob eine Infektion mit HPV besteht.
Unser Tipp: Sprich deine Frauenärztin oder deinen Frauenarzt beim nächsten Routinebesuch aktiv auf die Früherkennung an.
Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen. Der Schutz ist am größten, bevor es zum ersten Kontakt mit HPV kommt. Die Kosten der empfohlenen Impfung werden von den Krankenkassen übernommen.
9 bis 14 Jahre
Empfohlen: HPV-Impfung
In diesem Alter empfiehlt die STIKO die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen.⁷
Bis zum 18. Geburtstag
Verpasste Impfung nachholen
Wurde die HPV-Impfung zwischen 9 und 14 Jahren verpasst, sollte sie bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.⁷
Und später? Auch im Erwachsenenalter kann eine HPV-Impfung sinnvoll sein – selbst nach einer bereits erfolgten HPV-Infektion. Ob sie individuell infrage kommt, lässt sich am besten ärztlich klären.
Dr. med. Konstantin Wagner, Facharzt für Gynäkologie und Geburtsmedizin (Kassel), über die Bedeutung der Vorsorge, wie wir besser darin werden können und warum wir Gebärmutterhalskrebs besiegen können.
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Wenn auffällige Zellveränderungen entdeckt werden, folgt in der Regel eine genauere Untersuchung des Gebärmutterhalses mittels Kolposkopie. Dabei wird der Gebärmutterhals mit einer Scheidenlupe (Kolposkop) betrachtet. Bei Auffälligkeiten kann zusätzlich eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und im Labor untersucht werden. Eine einfache Kolposkopie führen viele niedergelassene Frauenärztinnen und Frauenärzte selbst durch; je nach Befund ist auch eine Überweisung in eine sogenannte Dysplasie-Sprechstunde möglich – eine Spezialsprechstunde für Veränderungen am Gebärmutterhals.
Bestätigt sich der Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs oder eine Vorstufe, folgen weitere Untersuchungen. Dabei wird geprüft, wie groß der Tumor ist, wie weit er sich ausgebreitet hat und ob Lymphknoten oder andere Organe betroffen sind. Je nach Situation kommen dafür bildgebende Verfahren wie MRT oder CT sowie eine Bauchspiegelung infrage. So lässt sich das Stadium der Erkrankung bestimmen und die passende Behandlung planen.
Zu den wichtigsten Therapieverfahren zählen Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie. Welche Behandlung geeignet ist, hängt vor allem von Größe und Ausbreitung des Tumors ab.⁸
Im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung werden mit einer kleinen Bürste oder einem speziellen Spatel vorsichtig Zellen am Gebärmutterhals entnommen. Die meisten Frauen empfinden die Entnahme nicht als schmerzhaft, manchmal kann sie jedoch etwas unangenehm sein. Anschließend werden die Zellen auf einen Objektträger aufgebracht und im Labor mit der sogenannten Papanicolaou-Färbung sichtbar gemacht. So können sie auf mögliche Veränderungen untersucht werden.⁸
Die aus dem Gebärmutterhalskanal entnommenen und angefärbten Zellen werden im Labor anhand ihres Aussehens beurteilt. Der Befund entscheidet über das weitere Vorgehen. Unsere Tabelle zeigt die möglichen Pap-Befunde, ihre Bedeutung und was man unternehmen sollte.
Fast alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs werden durch HP-Viren ausgelöst, die durch intime Kontakte übertragen werden. Es gibt jedoch weitere Faktoren, die das Risiko einer HPV-Infektion und damit von Gebärmutterhalskrebs erhöhen. Dazu zählen u.a. Rauchen, hormonelle Verhütungsmittel (Pille), viele Geburten, Immunsuppression, Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erregern im Genitalbereich sowie erbliche Faktoren.⁹
Gebärmutterhalskrebs verursacht zu Beginn keine Beschwerden und bleibt daher oft unbemerkt. Erst wenn die Erkrankung weiter fortgeschritten ist, können Symptome wie Ausfluss, Zwischenblutungen, Blutungen beim Geschlechtsverkehr und Schmerzen im Unterbauch auftreten.¹⁰
Neben dem Gebärmutterhalskrebs gibt es weitere HPV-bedingte Krebserkrankungen, die bei Männern und Frauen unterschiedlich häufig auftreten. Männer entwickeln öfter Krebs im Kopf-Hals-Bereich sowie Peniskrebs, während bei Frauen Vulva und Vagina betroffen sind. Genitalwarzen kommen bei Männern und Frauen ähnlich häufig vor.5
Fast alle von uns infizieren sich mindestens einmal im Leben mit HPV. Daraus können sich schwerwiegende Krebserkrankungen entwickeln – bei Frauen als auch bei Männern. Eine Impfung kann das Risiko einer Ansteckung mit HPV deutlich reduzieren – und damit die Gefahr, an HPV-bedingtem Krebs zu erkranken. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, alle Mädchen und Jungen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren gegen HPV impfen zu lassen. Eine verpasste Immunisierung sollte bis zum Alter von 17 Jahren nachgeholt werden.⁷
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Quellen:
1 World Health Organization. Cervical Cancer. Key facts. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/cervical-cancer, zuletzt abgerufen im März 2026.
2 Robert Koch Institut. Humane Papillomviren. RKI Ratgeber. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_HPV.html, zuletzt abgerufen im März 2026.
3 „Laienbefragung HPV-Testung und -Impfung“ von GIM Gesellschaft für Innovative Marktforschung mbH: Juli 2025, n = 2.001. Auftraggeber: MSD Sharp & Dohme GmbH und Roche Diagnostics Deutschland GmbH. https://www.roche.de/patienten-betroffene/informationen-zu-krankheiten/frauengesundheit/umfrage-hpv-testung-und-impfung, zuletzt abgerufen im Oktober 2026.
4 Robert Koch-Institut (RKI). Antworten auf häufig gestellte Fragen zur HPV-Impfung und HPV-Infektion. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html, zuletzt abgerufen im März 2026.
5 Deutsches Krebs- und Forschungszentrum. Humane Papillomviren (HPV) als Krebs-Auslöser, https://www.krebsinformationsdienst.de/krebs-vorbeugen/krebsrisiko-hpv, zuletzt abgerufen im März 2026.
6 Bundesministerium für Gesundheit. (2026, 13. Februar). Verbesserte Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/frueherkennung-vorsorge/frueherkennung-von-gebaermutterhalskrebs, zuletzt abgerufen im September 2026.
7 Robert Koch-Institut (RKI). Antworten auf häufig gestellte Fragen zur HPV-Impfung und HPV-Infektion. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html, zuletzt abgerufen im August 2026.
8 Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Krebsinformationsdienst. (2025, 8. Januar). Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs: Was bedeuten Pap- und CIN-Befunde? Wie geht es weiter? https://www.krebsinformationsdienst.de/gebaermutterhalskrebs/pap-test-und-vorstufen, zuletzt abgerufen im September 2026.
9Deutsches Krebs- und Forschungszentrum. Gebärmutterhalskrebs: Risikofaktoren und Vorbeugung, https://www.krebsinformationsdienst.de/gebaermutterhalskrebs/risikofaktoren, zuletzt abgerufen im März 2026.
10Deutsches Krebs- und Forschungszentrum. Symptome bei Gebärmutterhalskrebs: Anzeichen erkennen, https://www.krebsinformationsdienst.de/gebaermutterhalskrebs/symptome, zuletzt abgerufen im März 2026.
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