Vreni Frost, Moderatorin und Aktivistin, spricht offen über ihre HPV-Erkrankung – von der Diagnose bis hin zu ihrem Engagement für mehr Aufklärung. Bis heute ist das Thema für sie ein echtes Herzensthema.

Wie und wann hast du erfahren, dass du HPV hast? 

Ich war regulär bei meiner Frauenärztin zur Vorsorge. Für mich war das immer Routine: Abstrich, alles gut, fertig. Umso größer war der Schreck, als meine Ärztin mich nach dem Termin zurück in die Praxis bestellte. In habe mir direkt Sorgen gemacht – wenn die Frauenärztin anruft, denkt man ja direkt an das Schlimmste. Vor Ort wurde ich aber schnell beruhigt. Sie sagte, dass man etwas entdeckt hätte, das beobachtet werden müsse. In diesem Zusammenhang habe ich zum ersten Mal von HPV gehört.

Wem hast du als Erstes von der Diagnose erzählt, und wie hat dein Umfeld reagiert?

Zuerst habe ich mit meinem damaligen Partner darüber gesprochen, der mich über den ganzen Weg hinweg eng begleitet hat. Danach mit meiner Familie und engen Freundinnen. Und das Erstaunliche war: Viele haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Manche hatten sogar schon mehrere Konisationen* hinter sich. Da habe ich mich wirklich gefragt: Warum reden wir darüber eigentlich nicht? Wenn so viele betroffen sind, kann das doch kein Tabuthema sein.

Wie sah dann dein Behandlungsweg aus?

Ich hatte über einen längeren Zeitraum einen positiven HPV-Abstrich, der regelmäßig kontrolliert wurde. Über ein bis zwei Jahre wurde beobachtet, ob sich die Zellveränderungen von selbst zurückbilden. Als das nicht der Fall war, wurde eine Konisation empfohlen. Vorher war ich noch zur Abklärung in einer Spezialsprechstunde, bei der eine Biopsie aus der Gebärmutter entnommen wurde. Davor hatte ich große Angst – völlig unbegründet, wie sich herausstellte. Ich habe davon nichts gespürt. Die Ärztin war unglaublich einfühlsam, sehr ruhig und etwa in meinem Alter. Ich durfte mir den Eingriff sogar mit einer 3D-Brille anschauen – quasi einen Blick in meinen eigenen Uterus werfen.

Was war in dieser Zeit die größte Herausforderung für dich?

Ganz klar: Informationen. Als ich angefangen habe zu googeln, habe ich kaum verständliche oder hilfreiche Informationen gefunden. Das hat mich sehr überrascht, weil HPV so viele Menschen betrifft. Ich hatte damals noch meinen Blog und habe mir gedacht: Wenn niemand darüber spricht, dann mache ich es eben. Ich habe nicht nur über meine Gefühle geschrieben, sondern mich intensiv mit HPV beschäftigt, recherchiert und versucht, verständlich aufzuklären. Die Resonanz war überwältigend. Viele Frauen haben mir geschrieben, ihre eigenen Geschichten geteilt und sich bedankt, dass endlich jemand offen darüber spricht. Das hat mir selbst unglaublich viel Kraft gegeben – und mir gezeigt, wie wichtig Sichtbarkeit ist.

Welchen Rat würdest du jemandem geben, der gerade eine HPV-Diagnose erhalten hat?

Das Wichtigste: Keine Panik. Es ist gut, dass du bei der Vorsorge warst – das ist der entscheidende Schritt. HPV kann man beobachten, und in den allermeisten Fällen heilt es von selbst aus.¹ Also bleib in der Vorsorge, halte dich an die Empfehlungen deiner Ärztin oder deines Arztes und lass dich nicht verrückt machen.

Wenn du eine Botschaft hättest, die jede junge Frau und jeder junge Mann hören sollte – welche wäre das?

Die beste Vorsorge gegen HPV sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und die HPV-Impfung.¹ Und ganz wichtig: Männer müssen sich genauso impfen lassen. Sie sind Überträger – genauso wie Frauen. Länder mit hoher Impfquote zeigen, dass HPV dadurch fast vollständig zurückgedrängt werden kann.² Prävention wirkt – und Wissen nimmt Angst.

*Konisation: Ein kurzer medizinischer Eingriff, bei dem verändertes Gewebe am Gebärmutterhals entfernt wird.

Hinweis: Bei diesem Interview handelt es sich um einen persönlichen Erfahrungsbericht. Die geschilderten Inhalte geben ausschließlich die individuellen Erlebnisse und Meinungen der interviewten Person wieder und ersetzen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch Ärzt:innen oder anderes medizinisches Fachpersonal.

  1. Robert Koch-Institut (RKI). Antworten auf häufig gestellte Fragen zur HPV-Impfung und HPV-Infektion. Abgerufen am 12. Dezember 2025 von https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html

  2. Lopez, A. D., et al. (2019). The projected timeframe until cervical cancer elimination in Australia: A modelling study. The Lancet Public Health, 4(1), e19–e27. https://doi.org/10.1016/S2468-2667(18)30183-X

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