Wir vergleichen das alte und neue Gesicht der Standorte. Der Blick in die Vergangenheit offenbart vieles über zeittypisches Arbeiten in verschiedenen Jahrzehnten. Eine kleine Bildergalerie.

Blick ins Reklamebüro

Vor dem Ersten Weltkrieg war Grenzach der Motor des Konzerns, zentraler Entwicklungs- und Produktionsstandort. Mehr noch: Hier wurde die Werbetrommel gerührt. Und das nicht zu knapp, per Zeitungsannonce oder per Postkarte für den Hustensaft Sirolin. Das galt vor allem für rezeptfreie Publikumspräparate, für rezeptpflichtige Arznei gab es Ärzteinformationen. Firmengründer Fritz Hoffmann setzte auf eine konsequente Markenstrategie: wiedererkennbare Produktnamen unter einer starken Firmen-Dachmarke.

Heute macht „FRITZ“ in Grenzach wieder von sich reden: Als Hommage an den Firmengründer heißt so das neue Zentralgebäude. Pünktlich zum Jubiläum wird das fünfgeschossige Multifunktionsgebäude eingeweiht. Inmitten eines grünen Campus gelegen, beherbergt der beeindruckende Neubau auf 10.000 Quadratmetern vieles unter einem Dach: flexible Arbeitsplätze für bis zu 400 Mitarbeitende sowie genügend Raum für Events, Meetings und Gastronomie. Alleine das Forum bietet Platz für 500 Menschen. Kurzum: „FRITZ“ bietet „ziemlich beste Räume“ – so warben Bauplakate für moderne und kreative Arbeitswelten. Es ist die ideale hybride Plattform, um Präsenzund mobile Arbeit miteinander zu verzahnen. „The place to be.“

Mit streng gegliederter Fassade und viel Sichtbeton ist der Neubau 1988 ein typisches Kind der damaligen Zeit. 80 Millionen DM hat das Forschungs- und Entwicklungszentrum für neue Wirkstoffe seinerzeit gekostet. Es markierte einen entscheidenden Schritt zur Konzentration von Aktivitäten, die zuvor auf Tutzing und Penzberg verteilt waren. Fortlaufend angepasst an den neuesten Stand der Technik und an sich wandelnde Arbeitsweisen ist das Haus noch immer in Betrieb. 300 Mitarbeitende der Pharma-Forschung (pRED RICM) arbeiten hier übergreifend an wegweisenden Therapien für Patienten.

In Penzberg denkt man künftig Laborprozesse völlig neu. LEAP heißt das neueste Bau- und Transformationsprojekt, „Laboratory Excellence Accelerator Penzberg“. Statt kleiner fixer Räume dominieren Hallenstrukturen, die sich je nach Flächenbedarf und Arbeitsmodus variabel nutzen lassen; modernste Technologie und Services inklusive. „So maximieren wir Verfügbarkeit und Qualität für die Teams sowie jeden Einzelnen und arbeiten ganz selbstverständlich so flexibel wie wir leben“, erklärt Torsten Offergeld, Lab Strategy Head Penzberg von Roche Diagnostics. Die RnD-Teams von RDS sollen das intelligente Forschungsgebäude, das eine wegweisende Kollaborations-Kultur ermöglicht, ab 2024 nutzen.

Von Wirtschaftswunder und Bauboom ist noch keine Spur zu sehen – Boehringer Mannheim, immerhin bald hundert Jahre alt (1959), zehrt von dem, was nach dem Weltkrieg noch da ist. Das sollte sich ab Mitte der 1950er ändern. Die Umsätze für Therapeutika und Diagnostika stiegen rasant. „Aus einer chemisch-pharmazeutischen Fabrik – in dieser Reihenfolge – wird nun ein nahezu reines Pharmaunternehmen, das auf wissenschaftlicher Grundlage zur Gesundheit beitragen will“, schreibt Unternehmenschronist Fritz Fischer 1991.


Die Zukunft der Produktion steckt in einem quaderförmigen, ausbaufähigen Komplex auf dem Campus: Hier entsteht derzeit eine Reinraum-Produktion für hochsensitive diagnostische Tests. Alle Prozessschritte vom Rohstoff bis zum abfüllfertigen Reagenz sind auf kleinster Fläche optimiert. Gleichzeitig werden höchste Ansprüche an Arbeitsschutz, Wasseraufbereitung und Umweltschutz erfüllt. 2022 soll die Fertigung starten – das sind vom Spatenstich 2020 bis zum ersten Einsatz nicht einmal zwei Jahre. Denn das Gebäude besteht aus weitgehend fertig ausgebauten Modulen. Auch das ein Novum am Standort.

Die Autorin

Gabriele Koch-Weithofer

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