Deutschland gehört zu den führenden Forschungsstandorten der Welt – doch dieser Rang ist nicht selbstverständlich. Klinische Studien entscheiden mit darüber, ob medizinische Innovation hier entsteht, ob Wertschöpfung im Land bleibt und ob Patientinnen und Patienten früh von neuen Therapien profitieren. Eine aktuelle Studie des IGES Instituts macht erstmals greifbar, wie groß dieser Beitrag ist – und wie viel zusätzliches Potenzial in einer konsequenten Umsetzung der bereits beschlossenen Reformen liegt.
Zusätzliche Arbeitsplätze, die mit einem gestärkten Studienstandort verbunden sind.
Zusätzliche Wirtschaftsleistung, die bis 2045 entstehen kann, wenn das Potenzial klinischer Forschung konsequent gehoben wird.
Arbeitsstunden pro Jahr, die durch Krankheit nicht verloren gehen, wenn Innovationen schneller wirken – gewonnene Lebens- und Erwerbszeit.
Zusätzliches Steueraufkommen über den Betrachtungszeitraum – ein direkter fiskalischer Effekt für die öffentliche Hand.
Detaillierte Infomationen zu den hier genannten Zahlen und den Berechnungsmethodiken finden Sie im Studiendokument.
Deutschland hat in den letzten Jahren wichtige Weichen gestellt. Mit dem Medizinforschungsgesetz sind die rechtlichen Grundlagen für schnellere und planbarere Studien gelegt, und der politische Wille, den Forschungsstandort zu stärken, ist parteiübergreifend gewachsen. Damit ist die entscheidende Phase aber nicht abgeschlossen, sondern eröffnet: Es kommt jetzt darauf an, die beschlossenen Reformen im Alltag wirksam werden zu lassen. Genau hier setzt die Studie an – sie zeigt, was bereits erreicht wurde und wo der größte Hebel für die nächsten Jahre liegt.
Die Bedeutung klinischer Forschung für Gesundheit und Wirtschaft wird heute breiter anerkannt als noch vor wenigen Jahren. Über politische Lager hinweg besteht zunehmend Einigkeit, dass ein starker Studienstandort im nationalen Interesse liegt. Dieser Konsens ist die Grundlage dafür, die nächsten Schritte gemeinsam und ressortübergreifend zu gehen.
Mit dem Medizinforschungsgesetz wurden zentrale Voraussetzungen für mehr klinische Forschung in Deutschland geschaffen: schnellere und stärker harmonisierte Verfahren, klarere Zuständigkeiten und verlässlichere Rahmenbedingungen. Das Gesetz ist ein wichtiges Signal – und der Ausgangspunkt für die Umsetzung, auf die es jetzt ankommt.
Die rechtlichen Grundlagen stehen – entscheidend ist nun, dass sie in der Praxis ankommen. Schnellere Genehmigungen, verlässliche Prozesse und funktionierende digitale Infrastruktur entfalten ihre Wirkung erst dann, wenn sie im Klinikalltag spürbar werden. Die nächste Phase ist eine Frage der konsequenten Umsetzung, nicht neuer Gesetze.
Andere Standorte werben aktiv um klinische Studien – mit schnelleren Verfahren, gezielter Förderung und attraktiven Rahmenbedingungen. Wo eine Studie durchgeführt wird, ist eine Standortentscheidung. Deutschland muss seine Stärken jetzt ausspielen, um im internationalen Wettbewerb nicht zurückzufallen.
Fehlende Kapazitäten, knappe Zeitbudgets und begrenzte Studienkoordination bremsen klinische Forschung dort, wo sie stattfindet. Ohne gezielte Stärkung dieser Strukturen bleibt Potenzial ungenutzt. Wer den Standort stärken will, muss auch in die operative Ebene investieren.
Wie groß der Unterschied ausfällt, hängt von den Entscheidungen der nächsten Jahre ab. Die Studie modelliert dafür zwei Szenarien bis 2045: eine Fortschreibung des heutigen Trends und ein Potenzialszenario bei konsequenter Umsetzung der beschlossenen Reformen. Die Differenz zwischen beiden zeigt, was politisches Handeln konkret bewegen kann.
Fortschreibung der heutigen Entwicklung ohne weitere Reformimpulse. Dieses Szenario zeigt, wohin der Weg führt, wenn das vorhandene Potenzial nicht zusätzlich gehoben wird.
Bei konsequenter Umsetzung des Medizinforschungsgesetzes und gezielter Stärkung des Studienstandorts. Dieses Szenario zeigt, was erreichbar ist, wenn die richtigen Hebel gezogen werden.
Der Unterschied zwischen beiden Wegen im Zieljahr – ein Maß dafür, was konsequentes Handeln für den Standort bedeutet.
Mögliche zusätzliche Bruttowertschöpfung des Potentialszenarios kumuliert bis 2045 - gegenüber dem Basistrend.
Klinische Studien schaffen hochwertige Arbeitsplätze, ziehen Investitionen an und halten Wertschöpfung im Land. Ein starker Studienstandort ist ein Standortfaktor für die gesamte Gesundheitswirtschaft.
Forschung wirkt auch fiskalisch: durch zusätzliches Steueraufkommen und durch Entlastungen, die entstehen, wenn Krankheit früher und wirksamer behandelt wird. Investitionen in den Studienstandort zahlen sich für die öffentlichen Haushalte aus.
Wenn Innovationen schneller wirken, geht es Menschen früher besser. Gewonnene Gesundheit bedeutet zurückgewonnene Lebens- und Erwerbszeit – ein gesellschaftlicher Mehrwert, der weit über das Gesundheitssystem hinausreicht.
Klinische Forschung ist der Boden, auf dem medizinischer Fortschritt entsteht. Wer hier forscht, gestaltet die Medizin von morgen mit – und sichert Deutschland einen Platz an der Spitze.
Schnellere und bundesweit einheitliche Genehmigungs- und Bewertungsverfahren verkürzen die Zeit bis zum Studienstart und machen Deutschland als Standort planbarer und attraktiver.
Standardisierte Vertrags- und Budgetprozesse reduzieren Reibung und Verzögerungen. Weniger Aufwand bei jeder einzelnen Studie bedeutet in der Summe mehr Studien am Standort.
Digitale Infrastruktur entscheidet darüber, wie schnell Studien starten und wie leicht passende Patientinnen und Patienten gefunden werden. Wenn digitale Werkzeuge im Alltag der Kliniken tatsächlich funktionieren, wird aus rechtlicher Möglichkeit gelebte Praxis.
Forschung braucht Menschen, die sie tragen. Mehr Zeitbudgets, mehr Studienkoordination und gezielte Weiterbildung entlasten die operative Ebene – und schaffen Raum für die Studien, die den Standort stärken.
Keiner dieser Hebel wirkt für sich allein – ihre Stärke liegt im Zusammenspiel. Schnellere Verfahren, verlässliche Verträge, funktionierende digitale Infrastruktur und gestärkte Kapazitäten greifen ineinander und führen in dieselbe Richtung: einen Forschungsstandort, der sein Potenzial ausschöpft. Was sie eint, ist der Schritt von der Gesetzgebung zur gelebten Praxis. Diesen Schritt zu gehen, ist jetzt eine gemeinsame, ressortübergreifende Aufgabe.
IGES Institut GmbH
Dr. Martin Albrecht
Geschäftsführer
Phone +49 30 230 809 75
Fax +49 30 230 809 11
martin.albrecht@iges.com
www.iges.com
Roche Pharma AG
Dr. Tobias Hackmann
Excellence Lead Industrielle Gesundheitswirtschaft
Mobile: +491726367159
tobias.hackmann@roche.com
Die Studie wurde vom IGES Institut im Auftrag der Roche Pharma AG erstellt. Sie nutzt offizielle Zahlen (zum Beispiel vom Statistischen Bundesamt, der OECD und aus internationalen Studien-Datenbanken) sowie Gespräche mit Fachleuten. Auf dieser Grundlage modelliert ein Rechenmodell die wirtschaftliche und gesellschaftliche Wirkung klinischer Forschung in Deutschland.
Die ausgewiesenen Effekte sind modellierte Szenario-Ergebnisse, keine garantierten Werte. Sie beschreiben das zusätzliche Potenzial, das bei konsequenter Umsetzung der beschlossenen Reformen entstehen kann, gegenüber einer Fortschreibung des heutigen Trends. Bezugsgröße und Betrachtungszeitraum: Die Effekte beziehen sich auf den Projektionszeitraum von 2025 bis 2045. Betrachtet werden der Wirtschaftszweig der pharmazeutischen Industrie sowie die über Vorleistungen direkt und indirekt damit verflochtenen Branchen in Deutschland.
Klinische Forschung wirkt auf drei Ebenen zugleich: Sie bringt Patientinnen und Patienten früher Zugang zu neuen Therapien, sie treibt den medizinischen Fortschritt voran, und sie stärkt den Wirtschafts- und Forschungsstandort Deutschland. Diese drei Dimensionen lassen sich nicht voneinander trennen – genau das macht klinische Forschung zu einem strategischen Hebel.
Die Studie benennt vier Handlungsfelder:
schnellere und harmonisierte Genehmigungsverfahren für weniger Reibung und bessere Planbarkeit
praxistauglich standardisierte Verträge und Budgetprozesse = weniger Aufwand bei jeder einzelnen Studienverhandlung
alltagstaugliche digitale Infrastruktur zur verbesserten Nutzung von vorhandenen Daten, so dass passende Patient:innen schneller für Studien gefunden werden
gestärkte Kapazitäten im Klinikalltag: "Forschungszeiten" für medizinisches Personal und gezielte Weiterbildungen schaffen Raum für Studien
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