XX. Juli 2026 – Zu Besuch im Teclab

Mission: Impossible? Nicht für Mannheim

Was haben frisch zubereiteter Kaffee, höchste Ingenieurskunst und zehn Kartons Pizza gemeinsam? Auf den ersten Blick wenig. Doch wer das TecLab in Mannheim betritt, merkt schnell: Hier sind das die Zutaten für Innovationen, die von der Quadratestadt aus die ganze Welt erobern.

Kaffee, Konstruktion und kluge Köpfe: Ein Besuch im TecLab.

Wer durch den Eingang des TecLabs am Mannheimer Roche-Standort tritt, wird von einem ungewöhnlichen High-Tech-Charakter empfangen: dem Barista-Bot. Mit präzisen Bewegungen führt der Roboterarm den Siebträger, schäumt die Milch perfekt auf und serviert einen Cappuccino, der jedem italienischen Café Konkurrenz machen würde.


Doch der Roboter ist mehr als nur ein nettes Gadget. Er ist das Sinnbild für die Philosophie des Ortes. „Unter dem Leitmotiv ‚Think Systems!‘ vermitteln wir unsere Vision: Wir betrachten Dinge nicht isoliert, sondern im systemischen Gesamtzusammenhang”, erklärt Ludger Bodenbach, Leiter der Einheit Manufacturing Service & Technology.

Ein offener Campus für Erfindergeist

Besonders stolz ist Ludger darauf, dass der Barista-Bot komplett von Studierenden entwickelt wurde – vom Maschinendesign bis zur Benutzeroberfläche. Über die Initiative „Academia on Campus“ erhalten Studierende unkompliziert Zugang zur Roche-Infrastrukturan realen Fragestellungen tüfteln. Aktuelle Projektausschreibungen, Infos zu Praxissemestern und Abschlussarbeiten sind hier zu finden. 

”Mannheim, wir haben ein Problem!”

Der wahre Erfindergeist des Teams zeigt sich besonders, wenn die wirklich schwierigen Anfragen eintreffen - wie im Jahr 2015:  Kolleginnen und Kollegen des Roche-Standorts in Tucson suchten nach einer Lösung für einen komplexen Dosieranlagen-Prozess, den kein externer Automatisierer weltweit realisieren  wollte. Das Urteil der Expertinnen und Experten: „Nicht automatisierbar.“

„Ein Kollege aus meinem Team sah vor Ort 26 Menschen in einer Reihe sitzen, die einen sogenannten Dispenser, eine Art Spender für Flüssigmaterialien, mühsam von Hand zusammenbauten“, erinnert sich Ludger. Das TecLab-Team aus Mannheim nahm die Herausforderung an. Das Ergebnis? In Rekordzeit lieferten die Mannheimer Ingenieurinnen und Ingenieure  eine funktionierende Anlage, die xxxx (auf eine Besonderheit der Maschine eingehen, z.B. wie viele Teile die Anlage innerhalb von einer Minute schafft). Diese signifikante Steigerung der Produktionsgeschwindigkeit leistete einen entscheidenden Beitrag zur zeitnahen Versorgung von Patientinnen und Patienten weltweit. Der Leiter der globalen Produktionseinheiten  war beeindruckt: „Die Kolleginnen und Kollegen aus Mannheim haben geschafft, woran alle externen Spezialisten gescheitert sind.“ Mittlerweile ist bereits die dritte Generation dieser Anlage in Planung. Ein Teil der Maschine wird von den Mannheimer Kolleginnen und Kollegen liebevoll “Die Hochzeit” genannt. 

Vom Dispenser zur Diagnostik: Der HIV-Schnelltest

Der Fokus des TecLabs geht weit über reine Produktionsanlagen hinaus. Ein Herzensthema des Teams war ein Projekt zur Senkung der HI-Virus-Infektionen in Afrika. Die Kernherausforderung bestand darin, eine flächendeckende Diagnostik in abgelegenen Gebieten zu ermöglichen. Nur durch den Zugang zu verlässlichen Tests können Betroffene frühzeitig identifiziert und behandelt werden, was der Schlüssel zur Minimierung des Infektionsrisikos für die gesamte Bevölkerung ist. Die Lösung aus Mannheim: Die Plasma Separation Card. Ein Tropfen Blut auf einer speziellen Membran genügt. Das Plasma trocknet, kann in einem einfachen Briefumschlag verschickt und im Zentrallabor analysiert werden.

Das Geheimnis: Bedarfsgerechtes Know-how

Agilität in der Praxis: Rund 30 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Engineering, IT, Elektronik und Instandhaltung kommen im TecLab bedarfsorientiert zusammen, um ihr spezialisiertes Know-how gezielt in die Projekte einzubringen. „Wir stellen die richtigen Fragen und arbeiten auf Augenhöhe mit den Expertinnen und Experten vor Ort“, beschreibt Ludger den Prozess. Es ist ein Ökosystem mit Startup-Charakter, in dem Entscheidungen oft innerhalb von 24 Stunden fallen – ein Tempo, das in Großkonzernen selten ist.

Auch die Komplexität von Großkonzernen ist eine Herausforderung: Das sogenannte “TecBoard” wurde aus diesem Grund geschaffen. Es fördert die agile Zusammenarbeit zwischen den 6 Standorten in Deutschland und der Schweiz und bildet gleichzeitig die Brücke zwischen den Divisionen Pharma und Diagnostics.. In prägnanten 3-Minute-Pitches teilen Kolleginnen und Kollegen den aktuellen Stand ihrer technischen Projekte oder reden über ihre Ideen. Das Prinzip dahinter ist ebenso einfach wie effizient: Erst vernetzen, dann entwickeln. So wird sichergestellt, dass kein Standort das Rad neu erfinden muss, wenn andernorts bereits eine passende Lösung parat steht. 


Die Lösung aus dem Drucker

Das Rad nicht neu erfinden - das ist auch der Leitspruch des 3D-Druckzentrums in Mannheim, wo nicht nur verschiedenste 3D-Drucker bereitstehen, sondern auch das Wissen der entsprechenden Expertinnen und Experten. Und bevor sich Mitarbeitende verschiedenster Abteilungen wochenlang in einen eigenen 3D-Drucker einlesen, können sie im Druckzentrum komplexe Bauteile und medizinische Modelle innerhalb weniger Stunden anfertigen. 

Das technologische Highlight des Zentrums geht jedoch weit über den klassischen Werkzeugbau hinaus. Durch den Einsatz hochentwickelter Kunststoffe ist das Team in der Lage, organische Strukturen detailgetreu zu simulieren. So lassen sich beispielsweise menschliche Knochen oder Hautpartien in ihrer exakten Textur und Dichte dreidimensional nachbilden.

Diese lebensechten Modelle sind für die medizintechnische Forschung von unschätzbarem Wert: An ihnen können neue Diagnose-Methoden, Laborgeräte oder Testverfahren unter realistischen Bedingungen erprobt werden, noch bevor sie in die finale Entwicklungsphase gehen.


Das „TecLab-Gefühl“: Pizza und glänzende Augen

Wenn ein Projekt in die finale Phase geht, arbeiten alle Mitarbeitenden fokussiert daran, die Ziellinie erfolgreich zu überqueren. An der Wand hängt dafür eine große Uhr, die den Takt der Testläufe vorgibt. Wenn das Ziel – zum Beispiel die Produktion von 1.000 fehlerfreien Dispensern pro Stunde – zum Greifen nah ist, verwandelt sich die High-Tech-Halle in eine Einsatzzentrale.

„Die erste Schicht fängt morgens um sechs an, die letzte Schicht arbeitet bis 22 Uhr“, erzählt Bodenbach mit einem Lächeln.

Am Ende des Tages, wenn die Lichter langsam ausgehen und die letzte Pizzaschachtel geleert ist, steht er immer noch da: der Barista-Bot. Er ist bereit, das Team am nächsten Morgen wieder mit dem perfekten Koffein-Schub zu versorgen, damit in Mannheim weiterhin Herausforderungen gelöst werden, an denen der Rest der Welt verzweifelt.


Über Ludger Bodenbach

Ludger Bodenbach startete 1996 bei Roche als Gruppenleiter in der Forschung & Entwicklung (R&D). Ein Werdegang geprägt von Wachstum und Innovation: Vom Qualitätsmanagement wechselte er zurück in die Entwicklung. Hier gestaltete er maßgeblich den Ausbau der Organisation auf 200 Mitarbeitende, während er gleichzeitig den erfolgreichen Markteintritt von 15 Produkten steuerte. Seit einigen Jahren orchestriert er das TecLab und treibt die „Think Systems“-Philosophie voran. Sein Ziel: Silos aufbrechen und Menschen zusammenbringen, um aus 1 und 1 mehr als 2 zu machen.


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Optionales Kapitel gibt ergänzende Hintergrundinformationen zu den interviewten Personen.

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