Roche entwickelt innerhalb von sechs Tagen einen wissenschaftlichen PCR-Test (RUO) zum Nachweis des Ebola-Bundibugyo-Virus

Mannheim, 22. Juni 2026

  • Die Roche-Tochter TIB MOLBIOL mit Hauptsitz in Berlin hat einen neuen PCR-Test zum Nachweis des seltenen Ebola-Bundibugyo-Virus entwickelt. Das Verfahren soll die Bekämpfung der aktuellen Ausbrüche in Ost- und Zentralafrika unterstützen und einen akuten Bedarf an wissenschaftlichen Überwachungskapazitäten (Surveillance) decken.¹

  • Der Test entstand innerhalb von sechs Tagen nach Veröffentlichung der Genomsequenz des Erregers. Möglich wurde dies durch die auf Pandemie- und Krisenvorsorge ausgerichteten Forschungs- und Entwicklungseinheiten des Unternehmens.

  • Der Test ermöglicht Laboren den raschen Aufbau von Test-Kapazitäten und soll sowohl die Eindämmung der Ausbrüche als auch die epidemiologische Überwachung einer möglichen weiteren Ausbreitung unterstützen.

Roche gab am 4. Juni 2026 erstmals bekannt, dass das Unternehmen über seine Tochtergesellschaft TIB MOLBIOL mit Hauptsitz in Berlin/Deutschland einen molekularbiologischen PCR-Test zum Nachweis des Ebola-Bundibugyo-Virus entwickelt hat. 

Der Test (Research Use Only, RUO) wurde innerhalb von sechs Tagen entwickelt und ist Teil der etablierten Roche-Kompetenzen in den Bereichen der Pandemie- und Krisenvorsorge sowie der epidemiologischen Überwachung. Er unterstützt die Maßnahmen in Zentral- und Ostafrika und adressiert den kritischen Bedarf, der im Zusammenhang mit dem derzeitigen Ausbruch identifiziert wurde. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte den Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und Uganda am 17. Mai 2026 zu einer gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite (Public Health Emergency of International Concern).

Der Test für das Bundibugyo-Virus ist die jüngste Entwicklung in einer Reihe von molekularen Schnellreaktionslösungen für Infektionskrankheiten, die Roche in großem Maßstab bereitgestellt hat. Dazu zählen unter anderem Tests zum Nachweis von Mpox (2022), COVID-19 (2020), Zika (2015), Ebola (Zaire-Spezies, 2014/15), MERS (2012), die H1N1-Schweinegrippe (2009), die H5N1-Vogelgrippe (2005) sowie SARS (2003).

Zuletzt entwickelte und implementierte TIB MOLBIOL zudem einen Test für das Andes-Virus nach einem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff.

TIB MOLBIOL ist auf PCR-Diagnostik spezialisiert und steht seit vielen Jahren an vorderster Front der internationalen Ausbruchsbekämpfung. Das Unternehmen unterhält eine „Rapid-Response“-Bibliothek mit rund 15.000 vorbereiteten Testdesigns für eine Vielzahl von Krankheitserregern sowie mehr als 3.000 Positivkontrollmaterialien.

Diese umfangreiche Datenbasis sowie die Expertise in der Oligonukleotidsynthese ermöglichten es, innerhalb weniger Stunden statt Wochen verschiedene Primer- und Sondenkombinationen für das seltene Ebola-Bundibugyo-Virus zu evaluieren. Ergänzt wird dieser Ansatz durch die unmittelbare Mobilisierung von Personal- und Produktionskapazitäten, sobald neue Ausbruchsgeschehen identifiziert werden.

„In solchen Situationen ist die Fähigkeit zu schnellem Handeln entscheidend. Diagnostische Verfahren gehören zu den ersten unverzichtbaren Instrumenten einer wirksamen Reaktion“, erklärte Dr. Marcus Droege, CEO von TIB MOLBIOL. „Forschungsbasierte Testverfahren spielen insbesondere in der ersten Phase der Ausbruchsbekämpfung eine zentrale Rolle. Unser Fokus liegt darauf, gemeinsam mit Laboren schnell Testkapazitäten aufzubauen, Überwachungs- und Reaktionsmaßnahmen zu unterstützen und fundierte Entscheidungen in kritischen Situationen zu ermöglichen.“

Anhand realer klinischer Proben wurden Leistungsfähigkeit und Spezifität des Tests für die Bundibugyo-Variante durch das Netzwerk unabhängiger Referenzlabore von TIB MOLBIOL zeitnah bewertet. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse lieferten wichtige Rückmeldungen unter Echtzeitbedingungen.

Roche arbeitet derzeit unmittelbar mit öffentlichen Gesundheitslaboren und Gesundheitsbehörden in den betroffenen Regionen zusammen, um PCR-Testkapazitäten näher an die betroffenen Gebiete zu bringen. Ziel ist es, entsprechend den Empfehlungen der WHO die Laborkapazitäten zu stärken und einen schnellen Zugang zu Diagnostik sicherzustellen.²

Als langjähriger Partner beim Aufbau von Gesundheitsinfrastrukturen auf dem afrikanischen Kontinent verfügt Roche über etablierte lokale Partnerschaften und regionale Lieferketten. Dadurch können wichtige Instrumente der epidemiologischen Überwachung den Referenzlaboren und öffentlichen Gesundheitseinrichtungen, die sie im Rahmen dieser Notlage dringend benötigen, zeitnah zur Verfügung gestellt werden.

Über Ebola

Ebola ist eine schwere und häufig tödlich verlaufende Erkrankung. Die durchschnittliche Fallsterblichkeit liegt bei etwa 50 Prozent und kann je nach Ausbruchsgeschehen und Verfügbarkeit medizinischer Versorgung zwischen 25 und 90 Prozent³ betragen.

Der aktuelle Ausbruch stellt eine besondere Herausforderung dar, da er durch das seltene Bundibugyo-Virus verursacht wird.⁴ Historisch wurden für diese Virusvariante Sterblichkeitsraten von etwa 30 bis 50 Prozent⁶ beobachtet. Zudem kann das Virus von einigen der derzeit eingesetzten Schnelltests nicht zuverlässig erkannt werden.⁵

Dadurch steigt das Risiko verzögerter Diagnosen in einer kritischen Phase der Ausbruchsbekämpfung. Da derzeit weder zugelassene Bundibugyo-spezifische Impfstoffe  noch entsprechende spezifische Therapien verfügbar sind, können Verzögerungen bei der Erkennung des Erregers zu einer verstärkten Übertragung und größeren Ausbruchsgeschehen beitragen.

Ebola wird durch Viren der Gattung Orthoebolavirus aus der Familie der Filoviridae verursacht.⁷ Bislang wurden sechs Arten von Orthoebolaviren identifiziert. Drei davon sind für größere Ausbrüche beim Menschen bekannt:

Ebola-Virus (EBOV), das die Ebola-Virus-Erkrankung (EVD) verursacht,

Sudan-Virus (SUDV), das die Sudan-Virus-Erkrankung (SVD) verursacht,

Bundibugyo-Virus (BDBV), das die Bundibugyo-Virus-Erkrankung (BVD) verursacht.⁸

Die ersten bekannten Ebola-Ausbrüche traten 1976 nahezu zeitgleich auf: einer in Nzara im heutigen Südsudan sowie ein weiterer in Yambuku in der heutigen Demokratischen Republik Kongo, nahe dem Ebola-Fluss, von dem die Krankheit ihren Namen erhielt.¹

Molekulare Nachweisverfahren spielten bereits in früheren Ebola-Ausbrüchen eine entscheidende Rolle. Während der Westafrika-Epidemie 2014–2016 erhielten PCR-basierte Technologien, darunter Roche-LightCycler®-Systeme, Notfallzulassungen und wurden in Feldlaboren eingesetzt. Dies ermöglichte eine schnellere Diagnosestellung und unterstützte die Eindämmung der weiteren Ausbreitung des Virus.

Über TIB MOLBIOL

TIB MOLBIOL ist eine Tochtergesellschaft von Roche Diagnostics und beliefert seit mehr als 30 Jahren den globalen Markt mit Reagenzien für Forschung und medizinische Diagnostik.

Als Hersteller maßgeschneiderter Oligonukleotide hat das Unternehmen die Entwicklung molekularer Diagnostikverfahren maßgeblich mitgestaltet und ein breites Portfolio diagnostischer Tests aufgebaut. Dazu gehören insbesondere Anwendungen für genetische und somatische Mutationsanalysen, quantitative Tests für Hämatologie und Transplantationsmedizin sowie zahlreiche Nachweisverfahren für Infektionskrankheiten.

Der Unternehmenssitz befindet sich in Berlin.

Über Roche

Roche ist ein weltweit tätiges Gesundheitsunternehmen, das Diagnostik, Arzneimittelentwicklung und digitale Gesundheitslösungen miteinander verbindet, um Krankheiten vorzubeugen, zu erkennen und zu behandeln.

Das Unternehmen wurde 1896 in Basel gegründet und ist heute in mehr als 150 Ländern tätig. Roche konzentriert sich auf die Bewältigung zentraler gesundheitlicher Herausforderungen in Bereichen wie Onkologie, Neurologie, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Augenheilkunde, Infektionskrankheiten sowie Immunologie.

Die US-amerikanische Genentech ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Roche-Gruppe. Darüber hinaus hält Roche die Mehrheitsbeteiligung an Chugai Pharmaceutical, einem führenden Innovator im japanischen Markt für therapeutische Antikörper.

Der Bundibugyo-Virus-Test von TIB MOLBIOL ist ausschließlich für Forschungszwecke bestimmt und nicht für diagnostische Anwendungen zugelassen.

Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt .

Referenzen
[1] World Health Organization factsheet: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/ebola-disease
[2] Pan American Health Organisation: https://www.paho.org/en/news/18-5-2026-paho-reinforces-preparedness-measures-following-who-ebola-emergency-declaration
[3] World Health Organization factsheet: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/ebola-disease
[4]https://www.gavi.org/vaccineswork/bundibugyo-rare-virus-causing-deadly-new-ebola-outbreak-drc-has-no-vaccine-yet;
[5] WHO Disease Outbreak News: https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON602
[6] https://globalnews.ca/news/11855031/ebola-outbreak-explained-who-declares-global-health-emergency/ 
[7] International Committee on Virus Taxonomy, ICTV : https://ictv.global/report/chapter/filoviridae/filoviridae/orthoebolavirus 
[8] International Classification of Disease, ICD-11, 2024: https://icd.who.int/en/

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