Das Komplementsystem ist ein wichtiger Bestandteil des angeborenen Immunsystems und die erste Verteidigungslinie des Körpers gegen Infektionen.1 Aber was passiert, wenn das Komplementsystem nicht richtig reguliert ist? Es gibt ein breites Spektrum komplementvermittelter Krankheiten, von denen viele erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben und auch tödlich sein können.1,2 Die Behandlungsmöglichkeiten für diese komplexe Gruppe von Krankheiten sind begrenzt. Daher sind wissenschaftliche Erkenntnisse über das Komplementsystem der Schlüssel, um die Herausforderungen der Betroffenen zu adressieren.

Das Komplementsystem wird so genannt, weil es die Fähigkeit des Körpers, Krankheiten zu bekämpfen, komplementiert/ergänzt (oder verstärkt).1 Es ist ein wichtiger Teil des Immunsystems und hilft ihm, körperfremde Mikroorganismen oder beschädigte Zellen zu entfernen. Das Komplementsystem besteht aus mehr als 30 Proteinen. Diese Proteine sind in einem aktiven Gleichgewicht und wirken miteinander in einer Kette oder "Kaskade" von Ereignissen, die zur Zerstörung von Krankheitserregern, Fremdstoffen wie Bakterienzellen, Viren und beschädigtem Gewebe führen. Die Komplementkaskade ist genau reguliert, um Schäden an gesunden Zellen zu verhindern. Wenn die Komplementkaskade richtig funktioniert, stoppt sie, sobald die infektiöse Bedrohung beseitigt ist.1

Cell Lysis = Zell-Lyse
Bacteria Surface = Oberfläche von Bakterien
MAC = Membranangriffskomplex

Ein wichtiger Schritt in der Komplementkaskade ist die Bildung einer Erreger-abtötenden Struktur, die als Membranangriffskomplex (MAC) bezeichnet wird. Der MAC führt zu einer Porenbildung in der Zielzelle, die für die Zielzelle tödlich ist und sie zerstört. Der erste Schritt der MAC-Bildung wird ausgelöst, wenn ein Protein des Komplementsystems, das als Komplement 5 (C5) bezeichnet wird, in zwei Moleküle gespalten wird, von denen sich eines mit anderen Komponenten des Komplementsystems verbindet.2

Das Komplementsystem funktioniert aber nicht immer reibungslos. Eine Fehlregulierung führt bei manchen Personen zu einem gestörten Gleichgewicht der Proteine - mit der möglichen Folge, dass das Komplementsystem fälschlicherweise gesunde Zellen und Gewebe zerstört.1 Dies kann ein Spektrum von relativ häufigen bis hin zu extrem seltenen komplementvermittelten Erkrankungen verursachen, von denen viele das Leben erheblich beeinflussen können.2 Die damit einhergehenden Symptome spüren die Betroffenen möglicherweise ihr Leben lang, was eine erhebliche Belastung für sie und ihre Familien bedeutet.3 Einige Personen benötigen eine umfangreiche oder lebenslange Behandlung, die invasiv und unbequem sein kann und die Symptome nicht immer vollständig beseitigt.4

Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) ist eine seltene und lebensbedrohliche Erkrankung des Blutes, bei der eine Mutation in den Stammzellen des Knochenmarks dazu führt, dass rote Blutkörperchen ohne bestimmte Proteine auf ihrer Oberfläche gebildet werden. Das Fehlen dieser spezifischen Proteine führt dazu, dass das Komplementsystem die roten Blutkörperchen als fremd erkennt und eine Kaskade von Ereignissen in Gang setzt, die schließlich zu ihrer Zerstörung führt.2,5,6

Obwohl die Symptome und Komplikationen von PNH individuell sehr unterschiedlich sein können, beeinträchtigen sie die Lebensqualität der Betroffenen oft erheblich.3 Die häufigsten Probleme, die mit der Erkrankung einhergehen, sind Blutarmut (Anämie), Abgeschlagenheit (Fatigue), Blutgerinnsel und Nierenerkrankungen sowie Blutergüsse, Kurzatmigkeit und Kopfschmerzen, die ohne Vorwarnung kommen und gehen können, und zwar lebenslang.5 Obwohl PNH in jedem Alter auftreten kann, wird sie häufig bei 35-40-Jährigen diagnostiziert, was bedeutet, dass viele Menschen jahrzehntelang unter den Auswirkungen der Krankheit leiden.3

Zur weiteren Information über die Erkrankung PNH finden Sie an dieser Stelle ein Video von “Nature”, das die PNH sehr anschaulich erklärt. Dieses Video ist allerdings nur auf Englisch verfügbar.

Derzeit wird in Deutschland die behandlungsbedürftige PNH vorrangig mit Komplementinhibitoren behandelt, die auf das C5-Protein im Komplementsystem abzielen und das System daran hindern, gesunde rote Blutkörperchen zu zerstören.4 Diese Therapiestrategie hat sich zwar als wirksam und sicher erwiesen, erfordert derzeit aber eine regelmäßige, lebenslange intravenöse (über eine Infusion) Verabreichung von Medikamenten.4,7 Da manche der derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten nicht immer erfolgreich darin sind eine ausreichende Anzahl von C5-Proteinen zu unterdrücken, können bei einigen Menschen weiterhin Krankheitssymptome auftreten8 und es können höhere Dosen erforderlich sein, um eine angemessene Symptomkontrolle zu erreichen.5,9,10,11 

Darüber hinaus tritt bei vielen Betroffenen auch unter Behandlung eine fortbestehende Anämie auf, der häufig eine signifikante extravasale Hämolyse (hauptsächlich außerhalb der Gefäße) zu Grunde liegt. Für davon betroffene PNH-Patient:innen steht seit kurzem ein Komplementinhibitor zur Verfügung, der am C3-Molekül des Komplementsystems andockt. Dadurch kann die extravasale Hämolyse vermindert und die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden.8,12

Obwohl mit den aktuell verfügbaren Therapien in Deutschland somit bereits Fortschritte erzielt werden konnten, sind weitere Verbesserungen in der Therapie von PNH wünschenswert.8,9  Des Weiteren gibt es einzelne PNH-Patient:innen, die aufgrund einer genetischen Veränderung resistent gegen die momentan verfügbaren C5-Komplementinhibitoren sind.5,9,10

Derzeit befinden sich weitere innovative Medikamente in der Entwicklung, die die Therapieoptionen PNH-Betroffener potenziell verbessern könnten.8


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Roche hat eine lange Tradition in der Entwicklung innovativer Antikörpertherapien, um einige der Erkrankungen mit dem größten ungedeckten medizinischen Bedarf in der Hämatologie zu adressieren. Heute investieren wir weiter in das, was uns antreibt, nämlich Menschen mit Erkrankungen des Blutes, darunter auch PNH, innovative Behandlungsoptionen zur Verfügung zu stellen, für die es nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Um komplementvermittelte Krankheiten wie PNH wirksam zu begegnen, ist es entscheidend, die Feinheiten des Komplementsystems besser zu verstehen und gleichzeitig zu versuchen, die Herausforderungen zu meistern, mit denen die betroffenen Menschen konfrontiert sind. Bei Roche setzen wir uns dafür ein, die Rolle der C5-Aktivierung bei komplementvermittelten Krankheiten zu verstehen. Wir sind davon überzeugt, dass wir durch die Verbindung unserer wissenschaftlichen Expertise mit unserer patientenorientierten Philosophie das Leben der Menschen, die mit diesen Krankheiten leben, potenziell verändern können.

Eine adäquate Erfassung der Lebensqualität der PNH Patienten bleibt eine Herausforderung. Die Patientenvertreterin Pascale Burmester von der Stiftung Lichterzellen wurde im Rahmen eines Roche Satellitensymposiums von Dr. Jens Panse vom Universitätsklinikum Aachen zu der Bedeutung des AA- und PNH-spezifischen Lebensqualitätsfragebogen interviewt, der von Patient:innen und Ärzten gemeinsam entwickelt wurde.

Im Video finden Sie weitere Informationen. Untertitel sind in mehreren Sprachen verfügbar, bitte wählen Sie die Sprache über das Einstellungsmenü.

Weitere Informationen für Betroffene und Angehörige rund um die Themen Leben mit AA/PNH, Veranstaltungen sowie Austausch mit anderen Betroffenen finden Sie auf den Webseiten der Stiftung sowie des Vereins

Referenzen

  1. Noris M, Remuzzi G. Overview of complement activation and regulation. Semin Nephrol. 2013;33:479-492.

  2. Mastellos DC, Ricklin D, Lambris JD. Clinical promise of next-generation complement therapeutics. Nat Rev Drug Discov. 2019 Sep;18(9):707-729.

  3. Groth M, et al. Development of a disease-specific quality of life questionnaire for patients with aplastic anemia and/or paroxysmal nocturnal hemoglobinuria (QLQ-AA/PNH)—report on phases I and II. Ann Hematol. 2017; 96(2): 171–181.

  4. Sung-Eun Lee & Jong Wook Lee (2021) Safety of current treatments for paroxysmal nocturnal hemoglobinuria, Expert Opinion on Drug Safety, 20:2, 171-179.

  5. Harder M, et al. Incomplete inhibition by eculizumab: mechanistic evidence for residual C5 activity during strong complement activation. Blood. 2017;129:970-980.

  6. National Organization for Rare Diseases. Paroxysmal nocturnal hemoglobinuria. [Internet; cited December 2020] Available from: https://rarediseases.org/rare-diseases/paroxysmal-nocturnal-hemoglobinuria/.

  7. Brodsky RA. Paroxysmal nocturnal hemoglobinuria. Blood. 2014;124:2804-2811.

  8. Risitano, A.M. and Peffault de Latour, R. (2022), How we(’ll) treat paroxysmal nocturnal haemoglobinuria: diving into the future. Br J Haematol, 196: 288-303.

  9. Lee JW, Kulasekararaj AG. Ravulizumab for the treatment of paroxysmal nocturnal hemoglobinuria. Expert Opin Biol Ther. 2020 Mar;20(3):227-237.

  10. Röth A, et al. The complement C5 inhibitor crovalimab in paroxysmal nocturnal hemoglobinuria. Blood. 2020;135 (12):912–920.

  11. Brodsky RA. How I treat paroxysmal nocturnal hemoglobinuria. Blood. 2009;113 (26):6522–6527.

  12. Hillmen P, Szer J, Weitz I, et al.: Pegcetacoplan versus Eculizumab in Paroxysmal Nocturnal Hemoglobinuria. N Engl J Med 384:1028-1037, 2021.

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