Wenn ich nichts von Chlamydien merke, habe ich auch keine? Nicht unbedingt, denn ohne Test bleiben Chlamydien oft unerkannt. Trotzdem kann eine Infektion zu Unfruchtbarkeit und anderen gesundheitlichen Einschränkungen führen.¹ Erfahre jetzt die wichtigsten Informationen zu Chlamydien-Infektionen und was zu tun ist, falls ein Verdacht vorliegt.

Chlamydien – oder wissenschaftlich korrekt Chlamydia trachomatis – sind Bakterien, die sich als Parasiten in Zellen von Schleimhäuten im Augen-, Atemwegs- oder Genitalbereich einnisten. Relevant für die meisten Entzündungen sind hierbei die Unterarten D bis K (auch Serovare D bis K genannt).²

Allein in Deutschland wird die Zahl der Neuinfektionen auf 300.000³ pro Jahr geschätzt. Und da es für Chlamydien weder eine flächendeckende Meldepflicht noch eine standardmäßige Testung gibt, geht man sogar von einer viel höheren Dunkelziffer aus.

Auch wenn Chlamydien häufig unerkannt bleiben und Betroffene nichts von ihrer Infektion merken, kann es zu Juckreiz, Brennen, Unterleibsentzündung (PID), Schmerzen im Intimbereich beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr kommen.² Beobachtest du eines dieser Anzeichen bei dir, solltest du dich über die Symptome und den Verlauf einer Chlamydien-Infektion informieren.

Zu Chlamydien und anderen Geschlechtskrankheiten ist immer noch jede Menge Aufklärungsarbeit nötig. Studien legen nahe, dass sich die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit einer sexuell übertragbaren Infektion anstecken.

Wir alle können gemeinsam dazu beitragen, die Aufklärung in diesem Bereich voranzutreiben, indem wir offen über Geschlechtskrankheiten wie Chlamydien sprechen.

Die häufigste Ursache für eine Chlamydien-Übertragung ist ungeschützter Geschlechtsverkehr. Denn für eine Ansteckung ist ein direkter Kontakt der empfänglichen Schleimhaut mit infektiösen Körperflüssigkeiten erforderlich. Kurz gesagt: Jede sexuelle Praktik, bei der eine Schleimhaut mit einer anderen in Kontakt kommt, kann potenziell ansteckend sein. Aber auch Neugeborene können sich beispielsweise während der Geburt beim Durchtritt durch die mütterliche Scheide anstecken.¹

Über eine Übertragung von Chlamydien durch eine öffentliche Toilette oder ein gemeinsam genutztes Handtuch sollte man sich allerdings keine Sorgen machen. Eine Ausnahme bildet aber die seltene „Schwimmbadkonjunktivitis“. Das ist eine bakterielle Bindehautentzündung, die häufig von Chlamydien ausgelöst wird und nach einem Schwimmbadbesuch auftreten kann.¹

Disclaimer: Die in diesem Teilabschnitt verwendeten Wörter „Frau“ und „Mann“ beziehen sich auf das Vorhandensein von weiblichen bzw. männlichen Geschlechtsorganen.

Bei einer Chlamydien-Infektion dringt – genau wie bei jeder anderen Infektion – der Krankheitserreger (Chlamydia trachomatis) in unseren Organismus ein. Obwohl danach bereits eine nachweisbare Reaktion und damit eine Infektion vorliegt, müssen nicht zwangsläufig auch spürbare Symptome auftreten. So werden bei 80 Prozent der weiblichen und 50 Prozent der männlichen Betroffenen keine auffälligen Schmerzen oder andere Anzeichen ausgelöst.¹ Einige Symptome, die dennoch auftreten können, haben wir im Folgenden für dich zusammengefasst:

  • Gelblich-klebriger Ausfluss

  • Juckreiz im Intimbereich

  • Brennen beim Wasserlassen

  • Leichte Blutungen beim Geschlechtsverkehr oder Zwischenblutungen

  • Unterleibsschmerzen und Fieber

  • Druckgefühl oder Brennen beim Urinieren

  • Eitriger Ausfluss

  • Juckreiz im Intimbereich

  • Je nach Sexualpraxis können Schmerzen am After oder Entzündungen im Rachen auftreten

  • Auch eine Chlamydien-induzierte Arthritis kann die Folge einer Infektion sein

  • Schwellungen und Geschwüre der Lymphknoten in der Genital- und/oder Leistengegend können auf LGV hinweisen

Chlamydien ohne Symptome – geht das? Ja, denn tatsächlich kann es nach einer Infektion durchschnittlich zwei bis sechs Wochen⁵ dauern, bis sich die ersten Chlamydien-Symptome bemerkbar machen. Wenn überhaupt, denn vor allem Frauen haben oft gar keine oder nur sehr schwache Beschwerden.¹

Die Inkubationszeit einer Chlamydien-Erkrankung beträgt etwa ein bis drei Wochen – sie kann allerdings auch sechs Wochen dauern.¹

Für den Nachweis einer Infektion ist der direkte Erregernachweis die Methode der Wahl. Die Auswahl der geeignetsten Methode hängt vom klinischen Bild und der Zielstellung der Diagnostik im individuellen Fall ab.

Wie lange eine betroffene Person ansteckend ist, kann leider nicht genau festgelegt werden. Grund sind die meist asymptomatischen Verlaufsformen einer Chlamydien-Infektion.¹

Bei LGV, verursacht durch die Chlamydia Serovare L1-3, unterscheidet man drei Stadien, in deren Verlauf es zu einer Ausbreitung der Infektion im ganzen Körper kommen kann (systemische Infektion).⁶

  • Stadium I: Kleine Geschwüre und Bläschen

  • Stadium II (ca. 6 Wochen nach Ansteckung): ein- oder beidseitige Lymphknotenschwellungen in der Leistenbeuge und/oder Lymphknotenschwellungen im Genitalbereich, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schüttelfrost

  • Stadium III: Chronische Entzündungen und Geschwüre

Dass Chlamydien von selbst heilen, ist leider eher unwahrscheinlich.⁷ Ohne Behandlung kann es nur in schätzungsweise 20 Prozent der Fälle dazu kommen, dass das Immunsystem des Körpers die bakterielle Infektion selbst bekämpft.

Zwar können Chlamydien-Symptome kommen und gehen – und so den Anschein einer abgeklungenen Infektion erzeugen –, dennoch kann sich das Bakterium Chlamydia trachomatis auch weiterhin im Körper befinden und zu Spätfolgen und Komplikationen führen. Außerdem ist die Anfälligkeit für weitere sexuell übertragbare Erkrankungen erhöht.

Unabhängig davon, ob du Symptome für Chlamydien hast oder nicht, kann die Erkrankung dennoch über Geschlechtsverkehr weiterverbreitet werden.

Solltest du also Chlamydien-Symptome an dir feststellen oder in Kontakt mit Betroffenen getreten sein, wende dich am besten an deinen Arzt und vereinbare einen Test-Termin. Genauso wichtig ist es, Freunde oder Freundinnen zu ermutigen, offen über Chlamydien zu sprechen und zum Arzt zu gehen, sollten entsprechende Beschwerden angesprochen werden.

Disclaimer: Die in diesem Teilabschnitt verwendeten Wörter „Frau“ und „Mann“ beziehen sich auf das Vorhandensein von weiblichen bzw. männlichen Geschlechtsorganen.

Eine Chlamydien-Infektion früh zu erkennen, ist vor allem für junge Frauen wichtig, weil deren Genitaltrakt vermehrt zylindrisch geformte Zellen aufweist, die von Bakterien bevorzugt werden. Auch sind die lokalen Abwehrkräfte in der Scheide noch unvollständig ausgebildet, besonders bei jungen Raucherinnen. So können die Folgen von Chlamydien gerade für Frauen ein hohes Risiko darstellen. Hierbei ist die Möglichkeit der Unfruchtbarkeit die gravierendste.

Männer verbreiten die Krankheit zwar weiter, erleiden durch die Infektion aber selbst seltener langwierige Gesundheitsprobleme.⁸

  • Gebärmutterhalsentzündung

  • Harnröhrenentzündung

  • Entzündliche Beckenerkrankung (PID) ⁹

  • Eileiter-Verklebung und Unfruchtbarkeit

Bleibt die durch eine Chlamydien-Infektion entstandene Entzündung unbemerkt und unbehandelt, gelangen die Erreger weiter hinauf in die Eileiter. Diese können im Laufe der Jahre im schlimmsten Fall verkleben und in Abschnitten vernarben, die die Eizellen auf ihrem Weg aus dem Eierstock in die Gebärmutter passieren müssen. Nach Schätzungen wurden allein in Deutschland vermutlich bereits 100.000 Frauen durch eine Chlamydien-Infektion unfruchtbar.

  • Bauchhöhlen-, Eileiterschwangerschaft

Auch chronische Unterleibsschmerzen und Bauchhöhlenschwangerschaften gehen auf das Konto der heimlich eingewanderten Chlamydien. Denn wenn einem bereits befruchteten Ei – für die winzigen Spermien bleibt der Eileiter oft passierbar – der Weg vom Eierstock in die Gebärmutter blockiert ist, kann es unter Umständen in die Bauchhöhle entweichen und sich dort unter der Bauchdecke anheften.

  • Entzündungen von Samenleiter, Hoden, Prostata

  • Unfruchtbarkeit

  • Entzündung des Bauchraums

In einigen Fällen kann es zur Ausbildung einer sogenannten reaktiven Arthritis kommen, was sich in Form von schmerzhaften Gelenkentzündungen bei Menschen jeglichen Geschlechts äußern kann. Hier können Chlamydien-Tests entscheidend zur Therapieentscheidung beitragen.

Genitale Chlamydien-Infektionen sind die häufigste Ursache erworbener Unfruchtbarkeit in den westlichen Industrieländern. Mindestens ein Fünftel aller Fälle von Unfruchtbarkeit bei Frauen, so schätzen Experten, gehen in diesen Ländern auf das Konto verschleppter Chlamydien-Infektionen. Für diejenigen Fälle von Unfruchtbarkeit, die durch Tubenverschluss (Eileiterverschluss) hervorgerufen werden, sind Chlamydien sogar zu 90 Prozent verantwortlich. Auch Bauchhöhlenschwangerschaften, chronische Unterleibsschmerzen und Frühgeburten sowie Erkrankungen von Neugeborenen können durch verschleppte Chlamydien-Infektionen ausgelöst werden.¹

Indizien zeigen, dass sich bei Männern die Spermienqualität bei unentdeckten und unbehandelten Chlamydien vermindern kann. Weitere Folgen der Infektion sind zudem mögliche Entzündungen der Nebenhoden und Prostata sowie Harnröhrenverengungen. Diese führen ebenfalls zu Veränderungen der Organe, die die Zeugungsfähigkeit bei Männern verringern können.¹ ⁴ ¹¹

Es ist möglich, Chlamydien jahrelang unbemerkt mit sich herumzuschleppen, auch wenn es schwer vorstellbar ist. Wie lange man Chlamydien haben kann, hängt von mehreren Faktoren ab:

In den meisten Fällen bleiben die Chlamydien jahrelang unbemerkt, da es entweder keine typischen oder gar keine Beschwerden gibt. Zudem besteht auch die Möglichkeit, dass eine Chlamydien-Infektion von alleine wieder verschwindet.¹² Allerdings kann es dann trotzdem schon zu Verklebungen der Eileiter oder zu einer verminderten Zeugungsfähigkeit bei Männern gekommen sein.⁴ Alleine im Gebärmutterhals können sich Chlamydien einige Monate unbemerkt festsetzen, in den Eileitern sogar über viele Jahre.¹³

Ein wichtiger Aspekt ist der regelmäßige Test, der eine verschleppte Chlamydien-Infektion verhindern soll.

Chlamydia trachomatis ist ein weitverbreiteter Erreger, der vor allem durch ungeschützten Sex weitergegeben wird. Mithilfe diagnostischer Tests lassen sich auch diese Infektionen zuverlässig nachweisen, sodass Risiken für Folgekomplikationen reduziert werden können. Daher ist es wichtig und absolut nicht peinlich, dieses Thema bei einem Arztbesuch anzusprechen.

Eine Chlamydien-Untersuchung ist dabei empfehlenswert, wenn:

  • man die Sexualpartner häufiger wechselt

  • man in eine neue Beziehung geht

  • man bereits Symptome verspürt

  • der Partner einem von einer Infektion erzählt

  • man unbemerkte Chlamydien-Infektionen frühzeitig erkennen und behandelt haben möchte

  • weitere Geschlechtskrankheiten frühzeitig erkannt werden sollen, da nicht jede sexuell übertragbare Infektion alleine kommt

  • im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge eine Übertragung auf das Neugeborene unter der Geburt verhindert werden soll

Eine Untersuchung auf Chlamydien ist vor allem dann sinnvoll, wenn du Beschwerden wie Jucken, Brennen, Ausfluss oder Unterleibsschmerzen bemerkst.

Aber auch ohne spürbare Symptome gibt es Situationen im Leben, bei denen eine Chlamydien-Diagnose für Klarheit sorgen kann. Beispielsweise in einer neuen Partnerschaft ist es ein Zeichen von Verantwortungsbewusstsein und Vertrauen, wenn sich beide Partner in Verdachtsfällen untersuchen lassen und offen über das Thema Chlamydien sprechen.

Aber auch wenn du nicht die Gelegenheit hast, vorher über diese Themen zu sprechen oder sogar von der Untreue des Partners erfährst, kann eine Chlamydien-Untersuchung zuverlässig für die eigene Sicherheit sorgen und damit zur eigenen sexuellen Gesundheit beitragen. Sollte eine Chlamydien-Infektion nachgewiesen werden, ist es in der Regel rechtzeitig genug, um behandelt zu werden. So können langfristige Folgen meist vermieden werden.

Eine akute Chlamydien-Infektion kann durch eine zehn-, besser vierzehntägige Antibiotikabehandlung ausgeheilt werden. Der Partner sollte in diese Therapie mit einbezogen werden. Denn: Um einen sogenannten Ping-Pong-Effekt – also eine erneute Ansteckung durch Partner oder Partnerin nach einer Chlamydien-Behandlung – zu vermeiden, ist es besonders wichtig, offen über Chlamydien zu sprechen.¹ ¹⁴

Da Chlamydien kaum Resistenzen zeigen, gelingt es in der Regel, die Erreger abzutöten. Eine erfolgreiche Antibiotikatherapie schützt allerdings nicht vor einer erneuten Chlamydien-Infektion. Deshalb gelten die Empfehlungen für einen sicheren Infektionsschutz – Verwendung von Kondomen – auch nach einer erfolgreichen Chlamydien-Behandlung. Natürlich ist es dennoch wichtig, sich regelmäßig testen zu lassen.¹⁴

Die Chlamydien-Behandlung erfolgt meist durch die Gabe von Antibiotika. Welches Antibiotikum für dich das richtige ist, entscheidet der Arzt.

Je nach Präparat müssen Betroffene das Antibiotikum einmalig oder über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen einnehmen. Außerdem solltest du in dieser Zeit auf ungeschützten Geschlechtsverkehr verzichten. Denn erst nach der vollständigen Einnahme lässt sich eine erneute Ansteckung sicher vermeiden. Auch Partner sollten sich testen und ggf. mitbehandeln lassen, damit Ping-Pong-Effekte mit erneuten Ansteckungen verhindert werden.

Die Dauer einer Chlamydien-Behandlung kann dabei variieren – je nach Krankheitsfortschritt und Antibiotikum kann die Therapie eine oder zwei Wochen dauern. Zur Kontrolle sollte drei Wochen nach Ende der Antibiotika-Therapie beim Arzt ein erneuter Test durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass die Chlamydien-Behandlung tatsächlich erfolgreich war.

Während deiner Chlamydien-Behandlung solltest du Sex unbedingt vermeiden – oder zumindest ein Kondom benutzen. Außerdem solltest du mit deinem Partner oder deiner Partnerin darüber reden, ob diese/r nicht ebenfalls eine Behandlung durchführen lässt.

Denn: Mehr als 50 Prozent der Sexualpartnerinnen oder Sexualpartner von betroffenen Personen sind ebenfalls infiziert. Selbst wenn keine Symptome vorhanden sind, ist eine Chlamydien-Behandlung für den Partner oder die Partnerin sinnvoll.

So kann ebenfalls der sogenannte „Ping-Pong-Effekt“ vermieden werden. Dabei kommt es – wie der Name schon sagt – zu immer wieder neuen gegenseitigen Infektionen. Am besten ist es, alle Personen zu informieren, mit denen du in den letzten sechs Monaten sexuellen Kontakt hattest. Das verhindert, dass sich die Chlamydien-Infektion weiterverbreitet.

Stellst du dir Fragen wie „Wie kann ich verhüten?“, „Sind Kondome wichtig?“ und hast du Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder im Unterbauch, Ausfluss oder Juckreiz im Intimbereich? Dann ist ein Gynäkologe die richtige Anlaufstelle für eine Chlamydien-Behandlung.

Bei Schmerzen beim Urinieren, Juckreiz im Intimbereich und ähnlichen Symptomen ist der Urologe die erste Anlaufstelle für eine Chlamydien-Behandlung bei Männern.

  • Bei Ausschlag oder einem Juckreiz im Intimbereich solltest du dich an einen Hautarzt wenden.

  • Auch das Gesundheitsamt sowie andere medizinische Beratungsstellen und HIV-Schwerpunktpraxen sind eine gute Anlaufstelle, um mehr über eine Chlamydien-Behandlung zu erfahren.

Du bist dir noch unsicher, was die Symptome betrifft und ob du Hilfe in Anspruch nehmen solltest? Kein Problem, denn das bietet einen anonymen Online-STI-Risikotest an. So kannst du dein Risiko für Chlamydien und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) bereits im Vorfeld abschätzen. Einen Besuch beim Arzt und eine Diagnose ersetzt dies jedoch nicht.

Bisher gibt es keinen hundertprozentigen Schutz vor Chlamydien. Man kann das Risiko einer Infektion allerdings deutlich reduzieren, indem man beispielsweise Kondome oder Femidome benutzt, um eine Barriere gegen die Übertragung von möglicherweise infektiösen Körperflüssigkeiten zu schaffen.

Darüber hinaus gibt es einen Schutz vor den Folgen einer Infektion: einen Chlamydien-Test. Dieser kann bei einem Arzt oder im Gesundheitsamt durchgeführt werden, ob mit oder ohne spürbare Symptome. Pro Jahr zahlt die Krankenkasse jungen Frauen bis 25 Jahre einmal einen Chlamydien-Test. Dafür braucht es lediglich eine Urinprobe und keinen unangenehmen oder schmerzvollen Eingriff.¹

Ob One-Night-Stand oder Liebe fürs Leben, ob hetero-, homo- oder bisexuell, ob monogam oder offen – in jeder sexuellen Beziehung können Chlamydien zum Thema werden. Offene Kommunikation darüber hilft, symptomfreie Erkrankungen zu erkennen und Ansteckungen zu verhindern. Wir haben ein paar Anregungen für das Gespräch über Chlamydien in verschiedenen Beziehungssituationen.

Du spürst ein Kribbeln im Bauch und siehst die Welt durch eine rosarote Brille – Glückwunsch, du bist verliebt. Trotzdem verschwinden deshalb nicht einfach alle unangenehmen Dinge, zu denen eine Chlamydien-Infektion definitiv zählt. Natürlich helfen Kondome, Chlamydien und anderen Geschlechtskrankheiten vorzubeugen, allerdings schließen sie eine Infektion nicht vollständig aus. Chlamydien können beispielsweise auch durch Cunnilingus ohne Lecktuch übertragen werden.

Sprecht darüber und lasst euch testen. Damit zeigt ihr schließlich auch, dass euch etwas aneinander liegt.

Alle Menschen, die in Arztpraxen und anderen Gesundheitseinrichtungen arbeiten, sind dazu ausgebildet, Kranken zu helfen und dabei nicht über sie zu urteilen. Dir braucht dein Verdacht auf Chlamydien vor Gynäkologen, Urologen und Allgemeinmedizinern ebenso wenig peinlich zu sein wie vor den Mitarbeitenden in Apotheken, im Gesundheitsamt oder vor dem Pflegepersonal im Krankenhaus. Trotzdem hilft es, sich vorher auf ein Gespräch vorzubereiten – schließlich sind Sprechstunden häufig zeitlich eng getaktet.

Wirst du positiv auf Chlamydien getestet, solltest du unbedingt mit deinem Partner sprechen. Wichtig für dieses Gespräch ist, dass ihr beide wisst, dass ein positiver Chlamydien-Test kein Indiz oder Beweis für Untreue innerhalb der Partnerschaft ist.

Schließlich können Chlamydien jahrelang unbemerkt bleiben und einer von euch oder ihr beiden könnt schon lange vor der Beziehung infiziert gewesen sein, ohne es gemerkt zu haben.

Natürlich wird dein Partner aber trotzdem Redebedarf haben – schaffe für euer Gespräch deshalb eine sichere und stressfreie Situation, in der ihr euch offen über eure Fragen und Ängste austauschen könnt. Leider ist es mit einem Gespräch zwischen dir und deinem Partner in den allermeisten Fällen aber nicht getan – lies weiter und erfahre, warum auch dein Ex-Partner über deine Chlamydien-Infektion Bescheid wissen sollte.

Da sich nicht nachvollziehen lässt, woher eine Chlamydien-Infektion kommt, solltest du auch mit deinen früheren Sexualkontakten sprechen.

Das kann natürlich unangenehm sein, im Zweifelsfall reicht aber eine kurze Nachricht: „Hey du, ich habe Chlamydien und weiß nicht, wie lange schon. Bitte lass dich testen.“

Eine Chlamydien-Infektion ist eine ernst zu nehmende Angelegenheit und im Falle eines positiven Chlamydien-Tests kann dich niemand besser beraten als medizinisches Fachpersonal. Deren Beratungsauftrag endet aber nicht beim Ausstellen eines Rezepts. Nicht umsonst fragt ein Arzt am Ende einer Untersuchung, ob du noch Fragen hast. Das ist der richtige Zeitpunkt, in Erfahrung zu bringen, was dir auf der Seele brennt:

  • Können Haustiere wie Katzen Chlamydien übertragen? Ja, aber eine Ansteckung über eine Katze ist sehr selten.

  • Riechen Chlamydien unangenehm? Riechender Ausfluss kann, muss aber nicht als Symptom auftreten.

  • Kann man vom Küssen Chlamydien bekommen? Definitiv nein.

Schließlich gibt es keine falschen Fragen, wenn es um gesundheitliche Aufklärung geht.

In den allermeisten Fällen geht es in der Sprechstunde von Arztpraxen schnell zu. Da kann es schwierig werden, die Ausführungen zu so komplexen medizinischen Zusammenhängen, wie den möglichen Folgen von Chlamydien, direkt zu verstehen. Falls du mit einigen Fachbegriffen im Behandlungszimmer wenig anfangen kannst, frag nach und bitte noch mal um Erklärung. Schließlich sollten dir beispielsweise die Wirkungen und Nebenwirkungen von Chlamydien-Medikamenten bewusst sein, bevor du sie einnimmst. Oftmals liegen in den Wartezimmern auch Infoblätter und Broschüren, in denen du noch einmal die wichtigsten Punkte nachlesen kannst – oder du besuchst einfach unsere Übersichtsseite zum Thema Chlamydien.

Ohne Chlamydien-Test bleiben die meisten Infektionen unerkannt – gerade, weil die Betroffenen oft gar nichts davon merken. Bedeutet das also, dass man nichts unternehmen muss? Nein, denn gerade die Spätfolgen einer verschleppten Infektion mit Chlamydien können großen Einfluss auf die weitere Lebensplanung haben.

Und darum gibt es seit mehr als zehn Jahren das sogenannte Chlamydien-Screening. Das ist ein jährliches, kostenloses Testangebot für alle Frauen bis 25 Jahre. Was ist schon eine Urinprobe im Vergleich zu den Risiken, die Chlamydien mit sich bringen?

Alle Menschen können etwas für ihre sexuelle Gesundheit tun. Ein erstes Gespräch mit einem Arzt hilft, das eigene Risiko für eine sexuell übertragbare Infektion (STI) einzuschätzen und ggf. Maßnahmen zu besprechen.

Gibt es Vorsorgeuntersuchungen für Chlamydien während der Schwangerschaft?

In Deutschland gibt es regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen auf Chlamydien bei bestehender Schwangerschaft. Im Rahmen dieser Schwangerenvorsorge ist der Nachweis von Chlamydien eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse, sodass keine Kosten anfallen.

Besonders für Schwangere bergen Chlamydien-Infektionen ein hohes Risiko. Durch den Eintritt vorzeitiger Wehen und eines vorzeitigen Blasensprungs kann es zu einer Frühgeburt kommen – außerdem können Chlamydien während des Geburtsvorgangs beim Neugeborenen Infektionen der Augen und Atemwege auslösen.

Gibt es regelmäßige Chlamydien-Tests für Nichtschwangere?

Auch Chlamydien-Tests für nicht schwangere Frauen sind durchaus sinnvoll. Dabei können sich in Deutschland alle Frauen bis zu einem Alter von 25 Jahren einmal jährlich auf Chlamydien testen lassen – auch ohne einen konkreten Anlass. Sollten Symptome bestehen oder ein entsprechender Verdacht auf Chlamydien vorliegen, erfolgt der Test auch ohne Altersbeschränkung kostenlos.

Wichtig hierbei: Diese Vorsorge wird nicht zwingend vom Arzt nachgehalten oder angeregt. Daher gilt die Empfehlung, das Thema selbst anzusprechen und sich informieren zu lassen. So kann jeder aktiv etwas für seine sexuelle Gesundheit tun.

Gibt es Vorsorgeuntersuchungen für Chlamydien während der Schwangerschaft?

Für die Chlamydien-Vorsorge, wie auch für den Umgang in einer Partnerschaft generell, gilt: Ein offener und vertrauensvoller Dialog ist das A und O. Und schützt letztlich alle vor möglichen schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen.

Chlamydien-Test: Wie hoch sind die Kosten?

Ob die Kosten für einen Chlamydien-Test von deiner Krankenkasse übernommen werden, ist von mehreren Faktoren abhängig. Diese sind: dein Alter und ob Beschwerden vorliegen oder nicht.

In Deutschland können sich einmal im Jahr alle Frauen bis zu 25 Jahren ohne konkreten Anlass – also auch ohne Anzeichen einer Chlamydien-Infektion – untersuchen lassen. Sollten Symptome oder ein entsprechender Verdacht auf eine Infektion vorliegen, erfolgt der Test auch ohne Altersbeschränkung kostenlos.

Bei entsprechenden Beschwerden wird der Test auch für Männer von den Krankenkassen erstattet. Im Rahmen der Verschreibung der PrEP (Präexpositionsprophylaxe HIV) sollten die Beratung und Testung durch einen entsprechenden Arzt erfolgen.¹⁵

Bisher gibt es keine Chlamydien-Impfung. Das macht den bereits angesprochenen Test umso wichtiger, damit Infektionen nicht unerkannt bleiben. Gegen andere sexuell übertragbare Infektionen gibt es aber durchaus Impfstoffe. Welche davon für dich infrage kommen, erfährst du in den .

Das Robert Koch Institut in Berlin erfasst deutschlandweit sogenannte meldepflichtige Infektionen, um gezielt gegen diese vorzugehen und medizinische Maßnahmen koordinieren zu können. Chlamydien fallen aber nicht darunter. Die Gesundheitsbehörden einzelner Bundesländer können allerdings eigene Meldepflichten festlegen – aktuell gibt es deshalb in Sachsen eine Chlamydien-Meldepflicht.

Die aktuelle Häufigkeit von Chlamydien kann wohl darauf zurückgeführt werden, dass Jugendliche heute deutlich früher ungeschützte sexuelle Erfahrungen machen als noch vor einigen Jahren. Denn die sogenannten genitalen Chlamydien – diese gehören der Gattung Chlamydia trachomatis in der Untergruppe/Serovar D bis K an – werden ausschließlich über Sexualkontakte übertragen. Genauer gesagt: über alle Arten von Schleimhautkontakten.¹⁶

Betroffen sind hier alle Geschlechter – allerdings fehlt es gerade jungen Männern häufig an den entsprechenden ärztlichen Anlaufstellen. Möchtest du über Chlamydien sprechen, kannst du dich beispielsweise an einen Urologen, Hausarzt, Hautarzt oder auch an das Gesundheitsamt sowie an Beratungsstellen wenden. Dabei nisten sich die Erreger bevorzugt in der Schleimhaut sehr junger Frauen ein.

Die Häufigkeit von Chlamydien im Laufe der Zeit

Wie gesagt hängt die Häufigkeit, mit der Chlamydien auftreten, mit der deutlich früheren Geschlechtsreife und sexuellen Aktivität von Jugendlichen zusammen. Dabei sind besonders junge Mädchen gefährdet. Da sich Chlamydien aus anatomischen Gründen leichter am Muttermund niederlassen können, besteht hier also ein größeres Ansteckungsrisiko.¹⁷

Eine Möglichkeit, um das Infektionsrisiko mit Chlamydien noch besser bewerten zu können, wäre eine höhere Frequenz standardmäßig durchgeführter Tests. So könnten das Risiko besser bewertet und die vorhandenen Chlamydien-Infektionen tatsächlich nachgewiesen werden.

Chlamydien-Verbreitung: Wie stark sind Jugendliche betroffen?

Um die Verbreitung von Chlamydien besser nachvollziehen zu können, werfen wir einen Blick auf die Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Hier wird die Zahl der Chlamydien-Infektionen weltweit auf über 140 Millionen geschätzt.

Laut dem European Centre for Disease Prevention and Control ist eine Infektion mit Chlamydien sogar die am häufigsten gemeldete sexuell übertragbare Krankheit in Europa. 2018 wurden dabei über 406.400 bestätigte Fälle in 26 Ländern der europäischen Region gezählt.¹⁸ Demnach kommen auf 100.000 Menschen im Schnitt 146 Infizierte. Am häufigsten betroffen sind junge Frauen zwischen 15 und 20 Jahren. Bei Jugendlichen steigt die Quote an Infektionen auf 367,5 pro 100.000 Menschen.

Aufgrund der fehlenden Meldepflicht und der unauffälligen Symptome wird die Dunkelziffer noch deutlich höher geschätzt. Auch werden durch die bisherige Teststrategie mehr Frauen als Männer getestet – das wirkt sich natürlich auch auf die Anzahl der positiven Ergebnisse aus.

In folgenden Bereichen des Körpers können Chlamydien vorkommen: in den Schleimhäuten der Harnröhren von Männern und Frauen, im Enddarm, Gebärmutterhals, in der Vagina, im Sperma sowie in Vaginalflüssigkeit (Scheidenflüssigkeit), ebenso im Urin und im „Lusttropfen“, allerdings in geringerer Konzentration.

Chlamydien können sich auch im Rachen festsetzen – was über Oralverkehr erfolgen kann. Dies führt aber nicht zu einer Erkrankung und verschwindet gewöhnlich nach ein paar Wochen wieder.³ ¹⁶ ¹⁹

Du arbeitest im medizinischen Bereich und möchtest beim Thema Geschlechtskrankheiten auf dem neuesten Stand bleiben? Sichere dir

  1. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Chlamydiosen_Teil1.html?nn=16905222

  2. http://www.gesundheits-lexikon.com/Infektionskrankheiten/Chlamydien/

  3. https://link.springer.com/article/10.1007/s00105-016-3906-z

  4. https://www.nhs.uk/conditions/chlamydia/symptoms/

  5. https://www.usz.ch/krankheit/chlamydien/#:~:text=Symptome%3A%20Chlamydien%20bleiben%20oft%20unbemerkt,eine%20Chlamydien%2DInfektion%20h%C3%A4ufig%20unbemerkt.

  6. https://www.gesundheitsforschung-bmftr.de/de/chlamydien-die-unterschatzte-gefahr-9257.php

  7. https://www.euroclinix.net/de/verschwinden-chlamydien-von-selbst

  8. https://academic.oup.com/jid/article/216/2/237/3867429?login=true#google_vignette

  9. https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/chlamydien/krankheitsbild/#:~:text=Die%20Spanne%20vom%20Zeitpunkt%20der,Juckreiz%20sowie%20Brennen%20beim%20Wasserlassen

  10. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7925465/pdf/132_2020_Article_3935.pdf

  11. https://www.gesundheitsforschung-bmftr.de/de/cinoca-co-infektion-als-ursache-von-ovarialkarzinomen-4974.php

  12. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/sexually-transmitted-infections-(stis)

  13. https://www.familienplanung.de/kinderwunsch/fruchtbarkeitsstoerungen/chlamydien-infektionen/

  14. https://www.usz.ch/fachbereich/gynaekologie/angebot/chlamydien/

  15. https://www.aidshilfe.de/de/hiv-prep/prep-checks

  16. https://www.aidshilfe.de/de/chlamydien

  17. https://www.focus-gesundheit.de/magazin/krankheiten/chlamydien-erkennen-vermeiden-und-therapieren

  18. https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/chlamydia-infection-annual-epidemiological-report-2018

  19. https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(21)00581-8/fulltext

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