Personalisiert, individuell, zielgerichtet und maßgeschneidert: diese Begriffe der modernen Krebsmedizin sind Synonyme für Therapien, die genau auf die Bedürfnisse der Tumorpatienten ausgerichtet sind. Bei der sogenannten Personalisierten Medizin steht der Patient im Mittelpunkt. Und bereits heute finden Behandlungen statt, die speziell auf die individuellen Ursachen einer Krankheit zugeschnitten sind.
Wir bei Roche sind davon überzeugt, dass die Personalisierte Medizin das Leben von Patienten verändern kann, indem sie Behandlungen ermöglicht, die gezielt auf den Einzelnen zugeschnitten sind. Die Personalisierte Medizin kann Krankheiten effektiv und frühzeitig vorbeugen, diagnostizieren und behandeln.

– Hippokrates

Was ist Personalisierte Medizin?

Hippokrates erkannte den Kern der Personalisierten Medizin lange bevor wir grundlegende Abläufe des menschlichen Körpers verstanden hatten. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde es immer deutlicher, dass eine „gleiche“ Erkrankung von zwei Patienten nicht identisch ist. So kann der Körper eines Betroffenen gut auf eine Therapie ansprechen, bei einem anderen Patienten zeigt die Behandlung keinerlei Wirkung oder löst sogar starke Nebenwirkungen aus. (1) Heute wissen wir: „Schema F“ hilft zwar vielen Patienten, aber bei weitem nicht allen.

Unser Ziel: Für jeden Krebs eine individuelle und gezielte Therapie ermöglichen

Die Personalisierte Medizin ist im Bereich der Onkologie am weitesten fortgeschritten. Das ist kein Zufall und ist anhand von zwei wesentlichen Gründen zu erklären:

  • Krebs ist eine schwere und lebensbedrohliche Krankheit mit Behandlungen, die körperlich, seelisch und sozial belastend sind. Der medizinische Bedarf an Präzisionstherapien ist deshalb in der Onkologie besonders hoch.

  • Die Ursache für die Entstehung von Krebs liegt in den Genen. Damit ist die Onkologie für das Gebiet der Personalisierten Medizin prädestiniert.

Die Personalisierte Medizin erfasst genetische, molekulare und zelluläre Besonderheiten eines Patienten. Anhand dieser Informationen kann abgeleitet werden, ob z.B. eine spezielle Therapie für den jeweiligen Patienten in Frage kommt.

Es gibt vier Haupttypen von Standard-Krebsbehandlungen: Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und Immuntherapie. (1) Meist kommt eine Kombination der Behandlungen zum Einsatz, um auch resistente Teile des Tumors zu bekämpfen. Neben den gewünschten Effekten, dass Krebszellen abgetötet werden und der Tumor schrumpft, schädigen diese Behandlungen jedoch häufig leider auch gesunden Zellen. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass bestimmte Krebsbehandlungen bei etwa 75 Prozent der Patienten unwirksam sind. (2) Denn, ob Betroffene auf eine Therapie ansprechen ist von individuellen Faktoren abhängig, zum Beispiel dem Stadium, der Art und den Ursachen ihres Tumors sowie dem Alter oder dem Gesundheitszustand des Patienten. Deshalb ist es wichtig, auch diese persönlichen Eigenschaften bei der Wahl einer Krebsbehandlung zu berücksichtigen.

Hinter einer scheinbar identischen Erkrankung können unterschiedliche genetische und biologische Ursachen stecken. Eine Krebserkrankung beispielsweise basiert auf sogenannten Mutationen, im Erbgut. Welche Abweichungen vorliegen, ist bei jedem Patienten unterschiedlich. Das bedeutet: Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs und Darmkrebs nicht gleich Darmkrebs. Deshalb wäre es aus heutiger Sicht auch fatal, Krebspatienten (weiter) nach dieser Einteilung zu behandeln. Abhängig von den individuellen Unterschieden benötigt jeder Patient eine eigene Therapie, die auf seine/ihre jeweils spezifische Krankheitsform und Bedürfnisse maßgeschneidert ist.

Lange Zeit – und teilweise sogar noch heute – erhielten alle Patienten mit zum Beispiel der Diagnose Brustkrebs, das gleiche Medikament. Die Ärzte waren ratlos, warum die Therapie einigen Betroffenen half, anderen nicht.

Nach und nach entschlüsselten Wissenschaftler Krankheiten immer detaillierter. Auf einmal begannen sie diese auf molekularer Ebene zu verstehen, gezielt zu behandeln und zu diagnostizieren. So ist beispielsweise Krebs nicht eine definierte Krankheit, sondern das Ergebnis unzähliger genetischer Veränderungen. So gibt es zahlreiche verschiedene Arten und Subtypen von Tumoren.

Mit diesem Wissen hat sich auch die Behandlung von Krebs grundlegend geändert: Ärzte können die Auslöser und Treiber der Krankheit identifizieren und so besser vorhersagen, wie gut kleine Patientengruppen mit diesen Veränderungen auf eine Behandlung ansprechen werden. Mit Hilfe ausgefeilter diagnostischer Tests und Methoden können spezifische Gendefekte sowie andere Fehlfunktionen des Körpers erkannt und behandelt werden.

Doch das ist noch nicht das Ende: Unser medizinisches Verständnis nimmt immer weiter zu. So beginnen wir beispielsweise gerade erst zu lernen, was Krankheiten wie Alzheimers antreibt. Außerdem halten wir zwar täglich die Erkenntnisse von Millionen Patienten in der Klinik auf Papier fest und speichern die Informationen in Archiven, doch nutzen wir die wertvollen Daten bisher noch nicht, um zu verstehen, ob und wie Behandlungen optimiert werden können.

In einem Zeitalter der digitalen und vernetzten Technologie können wir die medizinische Versorgung zunehmend auf die Bedürfnisse von Einzelpersonen zuschneiden. Um zu lernen, wie sich Krankheiten manifestieren und wie Betroffene diese tagtäglich erleben, erfassen, speichern und analysieren wir weitere Informationen über die individuellen Krankheiten. Zusammen mit einem tieferen Verständnis der Molekularbiologie und neuen Methoden der Diagnostik wird diese Entwicklung einen bahnbrechenden Wandel in der Erforschung, Entwicklung, Zulassung und Finanzierung von Medikamenten mit sich bringen. Ebenso verändert sich die Art und Weise wie Patienten und Ärzte darüber entscheiden ob, wann und wie sie Krankheiten behandeln.

Bereits heute identifizieren Diagnose-Verfahren anhand einer Tumorprobe individuelle Mutationen. Dabei wird die Tumor-DNA aus einer Blut- oder Gewebeprobe isoliert und auf sogenannte untersucht. Werden bei einer DNA-Analyse bestimmte Gene nachgewiesen, kann das Hinweise auf den zu erwartenden Krankheitsverlauf liefern, zum Beispiel, wie schnell die Krankheit voranschreitet. Außerdem können Sie Indikatoren dafür sein, wie gut der Patient auf eine bestimmte Therapie anspricht. Mittlerweile hat die Forschung mehr als 700 solcher Stellen im Erbgut identifiziert, die Tumore detailliert charakterisieren und Auskunft über die molekularen Ursachen einer Krankheit geben können.

Doch damit wird auch jede Therapieentscheidung zur Herausforderung. Denn alle nützlichen Informationen zu finden, zu bewerten und gemeinsam mit den komplexen, individuellen Mutationen in die Entscheidung zu integrieren, ist für einen Arzt allein kaum zu schaffen. Hier kommt die ins Spiel: Sie ermöglicht, beschleunigt und vereinfacht es, riesige Mengen medizinischer Daten zu gewinnen, zu interpretieren und optimal zu nutzen. Sie ist der Katalysator, um die Personalisierte Medizin zum Patienten zu bringen.

Mit Tumorprofiling zur bestmöglichen Therapiewahl

Welchen Mehrwert die Verschmelzung von Molekularbiologie und Informationstechnologie bereits heute bietet, wird anhand von deutlich: Sie liefern relevante, nutzbare Ergebnisse und unterstützen Ärzte bei einer informierten Therapieauswahl. Sie sind Wegweiser in der modernen Onkologie.

Mit Hilfe der Personalisierten Medizin können Therapien ausgewählt werden, die gezielt auf die individuellen Mutationen der Patienten abgestimmt sind. Generische Behandlungsversuche können vermieden und sofort zielgerichtete Krebstherapien eingeleitet werden. Dadurch gewinnen Patienten kostbare Lebenszeit und unerwünschte Nebenwirkungen können dank Präzisionstherapien minimiert werden. (3)

Tumorprofiling kann zukünftig neben dem Einsatz bei Patienten mit Krebs im Endstadium oder auch als molekulargenetische Diagnostik für jeden Patienten zur Verfügung stehen. Und eine präzise, an den eigenen Veränderungen orientierte Behandlung ist erst der Anfang: Krebs-Immuntherapien, Krebs-Vakzine oder entitätsübergreifende Substanzen (siehe Infobox) stellen den Anfang einer neuen Generation und Therapien in der Onkologie dar.

Was sind entitätsübergreifende Substanzen?

Im Bereich der personalisierten Onkologie heißt das: Eine Behandlung mit diesen Krebsmedikamenten basiert nicht auf der Krebsart, dem Ursprungsorgan oder auf Gewebeeigenschaften. Stattdessen fußt die Wirkung auf den individuellen Veränderungen im Erbgut. Anders als bei der klassischen, bisherigen Krebsbehandlung, werden diese Substanzen nicht entwickelt, um einen Tumor zu behandeln, der sich in einem bestimmten Organ entwickelt hat, wie Brust- oder Lungenkrebs. Die entitätsübergreifenden Wirkstoffe behandeln jede Art von Krebs, der die spezifische molekulargenetische Veränderung, den sogenannten , im Tumor aufweist.

Präzise, individuelle Therapien erfordern ganzheitliche Expertise.

Diesen Bedarf hat Roche frühzeitig erkannt: Als eines der wenigen forschenden Biotech-Unternehmen vereint Roche Diagnostik, Pharmazie, Biotechnologie sowie umfassendes digitales Know-how unter einem Dach.

Diese Kompetenzen wurden in den vergangenen Jahren durch Stärkung interner Strukturen und Talente, sowie durch Kooperationen und strategische Partnerschaften erlangt und weiter ausgebaut. Roche ist wie kaum ein anderes Biotechnologieunternehmen in der Lage, die Realität werden zu lassen.

  • Bessere Lebensqualität und gewonnene Lebenszeit

  • Weniger ineffektive Therapien, Nebenwirkungen und damit verbundene Kosten

  • Eine evidenzbasierte, individualisierte Medizin ermöglicht eindeutiger vorhersagbare klinische Ergebnisse

  • Nutzbare Ergebnisse auf Grundlage molekulargenetischer Veränderungen und aktueller wissenschaftlicher Daten für informierte Therapieentscheidungen

  • Höheres Vertrauen in die Behandlung und deutlich verbesserte Outcomes für ihre Patienten

  • Verbesserte Adhärenz, da Patienten den Nutzen der Therapie unmittelbar erkennen

  • Bereits vor Beginn langwieriger Therapie können verlässlichere Aussagen über die Wirksamkeit gemacht werden. Ressourcen im Gesundheitswesen können effizienter eingesetzt werden

  • Verbesserung klinischer Therapieergebnisse

  • Deutlichere wissenschaftliche Belege vereinfachen Nutzen-Risiko-Beurteilungen

Wussten Sie, dass bei der Anwendung von Krebstherapien bisher durchschnittlich nur einer von vier Patient wirklich von der Behandlung profitiert hat? (1)
Eine Analyse von rund 350 Studien zeigte, dass in der Personalisierten Medizin fast fünfmal so viele Betroffene auf ihre zielgerichtete Behandlung ansprachen, als die Tumorpatienten die nicht mit einer Präzisionstherapie behandelt wurden. (4)

Nicht nur bei Krebserkrankungen, auch bei Infektionskrankheiten wie Hepatitis C oder der Immunschwäche AIDS, bei Stoffwechselstörungen wie Osteoporose oder entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis ist die personalisierte Medizin die Strategie der Zukunft.

Der Fortschritt in diesem Bereich gewinnt zunehmend an Tempo. So hat allein Roche, als führendes Unternehmen in der Onkologie, im laufenden Jahrzehnt sechs eingeführt.

Referenzen

  1. National Cancer Institute. Types of cancer treatment (2017),

  2. Personalized Medicine Coalition. The personalized medicine report. Opportunity, challenges, and the future (2017),

  3. Burney IA, Lakhtakia R. Precision medicine: Where have we reached and where are we headed? Sultan Qaboos Univ. Med.2017;17:e255–8.

  4. Schwaederle M, Zhao M, Lee JJ, et al. Association of Biomarker-Based Treatment Strategies With Response Rates and Progression-Free Survival in Refractory Malignant Neoplasms: A Meta-analysis. JAMA Oncol.2016;2(11):1452–9.

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