Nach Jahren der Bürokratie und Standortmüdigkeit kommt Bewegung in die klinische Forschung – mit politischem Rückenwind und Patient:innen im Zentrum.

Deutschlands klinische Forschung war lange der „Patient im Wartesaal“. Doch das Studienstandort-Barometer des vfa zeigt: Die Genesung hat begonnen. Damit sie gelingt, braucht es mehr als Gesetze – es braucht Vertrauen, Vernetzung und den Mut, Patient:innen als Partner:innen zu begreifen.

Die Diagnose war eindeutig: Bürokratie, Personalmangel, verlorenes Tempo. Jetzt steht die Rehabilitation an – und die ersten Fortschritte sind messbar. Stellen Sie sich den globalen Wettlauf um medizinische Innovationen wie einen Marathon vor. Deutschland, einst ein Top-Läufer mit exzellenter Ausrüstung, ist im internationalen Vergleich zurückgefallen. Von Platz 2 auf Platz 4 – das ist mehr als nur eine Zahl. Es ist ein Alarmsignal für den medizinischen Fortschritt, die Wirtschaft und vor allem für Patient:innen, die auf den Zugang zu möglichen neuen Therapieoptionen warten.

Die große Frage ist: Haben wir den Wendepunkt erreicht? Das neue Medizinforschungsgesetz (MFG) soll langwierige Prozesse beschleunigen und Bürokratie abbauen. Aber zeigt diese Maßnahme bereits in der Praxis Wirkung?

Frische Daten liefert das „Studienstandort-Barometer“, das der vfa (Verband forschender Pharma-Unternehmen) kürzlich auch im Rahmen des Herbstforums vorgestellt hat. Das Ergebnis ist ein Stimmungsbild mit zwei Gesichtern:

  • Die aktuelle Lage wird von Pharmaunternehmen und Auftragsforschungsinstituten als „mittelmäßig“ bewertet.

  • Der erwartete Trend für die nächsten 12 Monate ist jedoch klar „positiv“.

Insgesamt ergibt sich eine „leicht positive“ Gesamtbetrachtung. Treiber dieser Hoffnung sind die politischen Maßnahmen: Das MFG, der Abbau regulatorischer Hürden (z. B. beim Strahlenschutz) und die Aussicht auf verbindliche Standardvertragsklauseln stimmen die Branche optimistisch. Doch das Barometer zeigt auch ungeschönt die Bremsklötze auf: Die größten Hürden bleiben der Mangel an qualifiziertem Personal in den Studienzentren sowie komplexe und langwierige juristische Vertrags- und Budgetverhandlungen.

Bei all den wichtigen Diskussionen um Prozesse, Gesetze und Paragrafen darf eines nicht in den Hintergrund rücken: der Mensch. Am Ende geht es darum, Patient:innen Zugang zu potenziellen neuen Therapieansätzen zu ermöglichen. Wir sind überzeugt: Um den Studienstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, müssen wir Patient:innen nicht nur als Teilnehmende sehen, sondern sie als aktive Partner:innen auf Augenhöhe begreifen und frühzeitig in die Planung von Studien einbinden.

Sarah Kuld, Head of Patient Partnership Roche Pharma Deutschland, betont, wie zentral diese Erkenntnis bei den jüngsten Veranstaltungen war: „Dieses Thema war ein zentraler Punkt bei unserem Patient:in im Fokus Summer Summit sowie beim anschließenden Herbstforum. Im Dialog mit Patientenorganisationen, Politik, Wissenschaft und Industrie wurde klar: Wir brauchen nicht nur schnellere Prozesse. Wir brauchen auch eine bessere, laienverständliche Aufklärung über klinische Studien und ein zentrales Studienregister.“

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Ein großes Hindernis ist oft der Zugang zu Informationen – wo finden Betroffene die passende Studie? Dr. Sandra Jansen, Fachreferentin bei PRO RETINA Deutschland e.V. und Teilnehmerin unseres Summer Summits, betonte, wie proaktiv Patient:innen-Organisationen dieses Problem angehen: "Auch Patientenorganisationen können Patientenregister aufbauen. Gerade für seltene Erkrankungen ist dies wichtig. Woher soll ein Patient in München wissen, dass es in Hamburg eine klinische Studie für ihn gibt? Wir als Patientenorganisation können auch unseren Teil dazu beitragen, dass wir Patienten und Studienausrichter miteinander vernetzen. Natürlich würde ich mir wünschen, dass es von einer Behörde geregelt wird. Im Moment ist das leider nicht der Fall, deshalb mussten wir das selbst in die Hand nehmen und sind da auch mit gutem Beispiel vorangegangen."

Es geht also um die Vernetzung, aber auch um ganz praktische Fragen des Zugangs, wie eine Patientin formulierte: "Es wäre eine große Erleichterung, wenn die Studien einfach da angeboten würden, wo ich sowieso schon bin, bei meinem Arzt vor Ort zum Beispiel. Ich als Patientin sollte nicht auch noch weite Wege auf mich nehmen müssen, um teilnehmen zu können."

Um genau diese Perspektiven strukturell bei uns zu verankern, begleitet uns der Roche Patient Council, ein Beirat aus sieben Patient:innen und Angehörigen, kritisch und strategisch.

Das Studienstandort-Barometer zeigt: Die Richtung stimmt, die Politik hat erste wichtige Impulse gesetzt. Aber das Rennen ist noch lange nicht gewonnen. Es braucht jetzt eine echte „Willkommenskultur für Fortschritt“ von allen Beteiligten – von der Politik über die Kliniken bis zur Industrie.

Als Roche werden wir uns weiter aktiv dafür einsetzen: für den Abbau von Bürokratie, die Stärkung der Studienzentren und für eine echte Partnerschaft mit der Patient:innen-Community. Denn Innovationen, die bei den Menschen ankommen, sind der wahre Maßstab für einen Spitzen-Standort.

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