Atemwegsinfektionen gehören zu den häufigsten Gründen für einen Arztbesuch. Husten, Schnupfen und Fieber werfen dabei oft eine entscheidende Frage auf: Ist eine antibiotische Behandlung notwendig und sinnvoll? Die vorschnelle oder unsachgemäße Anwendung von Antibiotika hat weitreichende Folgen, allen voran die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen. Dieser Text beleuchtet die Problematik des Antibiotikamissbrauchs bei respiratorischen Infektionen und zeigt auf, wie moderne diagnostische Verfahren wie die Multiplex-PCR nicht nur für Klarheit bei der Therapieentscheidung sorgen, sondern auch den Herausforderungen im modernen Labor wie dem Arbeitskräftemangel begegnen.

Die Entdeckung von Antibiotika war ein Meilenstein der Medizin. Doch ihr übermäßiger und oft ungerechtfertigter Einsatz droht, diese wichtige Waffe im Kampf gegen Infektionen stumpf werden zu lassen. Besonders bei Atemwegsinfektionen werden häufig Antibiotika verschrieben, obwohl sie in vielen Fällen wirkungslos sind.

Der entscheidende Punkt für eine zielgerichtete Therapie ist die Unterscheidung zwischen einer viralen Infektion und einer bakteriellen Infektion. Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien. Die Mehrheit der ambulant behandelten Atemwegsinfektionen, einschließlich akuter Bronchitis, Sinusitis, Pharyngitis und grippaler Infekte, wird jedoch durch Viren verursacht ¹, ².

Trotz dieser Erkenntnis erhalten in Deutschland bis zu 80 % der Patienten mit akuter Bronchitis Antibiotika, obwohl diese bei viralen Ursachen keine Wirkung zeigen und die Krankheitsdauer nicht verkürzen ¹, ². Eine neuere Meldung vom Ärzteblatt aus dem Jahr 2023 bestätigt, dass Antibiotika bei Atemwegsinfektionen weiterhin zu häufig eingesetzt werden, was die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen vorantreibt ¹. 

Ein erheblicher Teil der Antibiotikaverordnungen entfällt somit auf Erkrankungen, bei denen sie medizinisch nicht indiziert sind ¹. Dieser unnötige Einsatz von Antibiotika fördert die Entstehung und Verbreitung von Antibiotikaresistenzen, die die Behandlung bakterieller Infektionen zunehmend erschweren ³, ⁴. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt eindringlich davor, dass die Wirksamkeit von Antibiotika ohne konsequente Maßnahmen zur Eindämmung des Missbrauchs verloren gehen könnte ⁴.

Daten zum Antibiotikaverbrauch in Deutschland unterstreichen die Dringlichkeit: Allein im Jahr 2022 wurden in Deutschland 439 Tonnen Antibiotika verbraucht ³. Obwohl der Gesamtverbrauch zwischen 2010 und 2022 gesunken ist, gibt es weiterhin erhebliche regionale Unterschiede im Verordnungsverhalten ³.  Dies deutet auf eine uneinheitliche Praxis und oft auf eine Therapieentscheidung ohne gesicherte diagnostische Grundlage hin. Die zentrale Frage „Wann helfen Antibiotika?“ kann nur durch eine präzise Diagnostik beantwortet werden. Die Herausforderung, schnell und sicher zwischen viralen und bakteriellen Infektionen zu unterscheiden, treibt den unkritischen Einsatz von Antibiotika bei Husten und Erkältung maßgeblich voran ¹, ².


Hier kommt die syndromische Testung mittels Multiplex-PCR ins Spiel. Dieses Verfahren revolutioniert die Diagnostik von Atemwegsinfektionen, indem es ermöglicht, aus einer einzigen Patientenprobe schnell und zuverlässig auf eine Vielzahl von potenziellen Erregern – sowohl Viren als auch Bakterien – zu testen.

Anstatt auf langwierige Kulturen zu warten oder basierend auf überlappenden Symptomen eine unsichere Entscheidung zu treffen, liefert ein PCR-Test innerhalb weniger Stunden ein klares Ergebnis ⁵. Dies hat immense Vorteile für die Patientenversorgung und das Antimicrobial Stewardship:

  • Gezielte Behandlung: Ärzte können sofort erkennen, ob eine bakterielle Infektion vorliegt, die ein Antibiotikum erfordert, oder eine virale Infektion, bei der Antibiotika nutzlos wären. Dies reduziert den unnötigen Einsatz von Antibiotika bei Erkrankungen wie akuter Bronchitis, wo sie oft unangemessen verschrieben werden ¹, ².

  • Vermeidung von Fehltherapien: Der unnötige Einsatz von Breitbandantibiotika wird vermieden, was direkt zur Eindämmung von Resistenzen beiträgt ², ⁵.

  • Identifizierung von Co-Infektionen: Das Panel kann gleichzeitig verschiedene Erreger nachweisen, was für die Behandlung und Prognose, insbesondere bei komplexen respiratorischen Infektionen, entscheidend sein kann.

  • Effizienz im Labor: Die Untersuchung auf mehrere Erreger in einem einzigen Testlauf spart Zeit, Material und personelle Ressourcen im Labor ⁵.

Die Implementierung der Multiplex-PCR in die klinische Routine ist somit ein entscheidender Schritt, um die Frage „Sind Antibiotika gefährlich?“ zu entschärfen, indem ihr Einsatz auf die Fälle beschränkt wird, in denen sie lebensrettend sind und wirklich helfen.

Erfahren Sie, wie das respiratorische Multiplex-Portfolio von Roche Ihre Diagnostik unterstützen kann! 

> Hier mehr erfahren


Die Einführung leistungsfähiger Diagnostik wie der Multiplex-PCR erhöht zwar die Qualität der Patientenversorgung, stellt medizinische Labore jedoch vor operative Herausforderungen. Der wachsende Fachkräftemangel in medizinischen Laboren ist eine ernstzunehmende Bedrohung für die diagnostische Versorgung und kann die Effizienz beeinträchtigen ⁶. Hochqualifiziertes Personal ist rar, und die manuellen Arbeitsabläufe traditioneller Labore sind zeit- und personalintensiv.

Die Automatisierung im Labor ist hier nicht nur eine Chance, sondern eine Notwendigkeit. Moderne Systemlösungen, wie sie Roche anbietet, ermöglichen es, komplexe Arbeitsabläufe zu automatisieren und zu standardisieren.

  • Entlastung des Personals: Routineaufgaben werden von den Systemen übernommen, sodass sich die wertvollen MTAs und Laborleiter auf die anspruchsvolle Befundung und Qualitätssicherung konzentrieren können.

  • Erhöhter Durchsatz: Automatisierte Systeme können eine höhere Probenanzahl in kürzerer Zeit verarbeiten, was besonders bei saisonalen Infektionswellen von respiratorischen Infektionen entscheidend ist.

  • Reduzierung von Fehlern: Standardisierte Prozesse minimieren das Risiko menschlicher Fehler und steigern die Zuverlässigkeit der Ergebnisse.

Technologien wie der cobas® omni Utility Channel ermöglichen es Laboren, eigene, laborinterne Tests neben den Standardtests auf vollautomatisierten Hochdurchsatzsystemen zu integrieren. Dies schafft maximale Flexibilität und Effizienz.

Zudem verbessern innovative Entwicklungen wie die Roche TAGS Technologie die Effizienz von PCR-Tests, indem sie eine höhere Multiplexing-Fähigkeit ermöglichen – also die simultane Analyse einer noch größeren Anzahl von Erregern aus einer einzigen Probe. Diese Technologie optimiert die Detektion von Nukleinsäuren, vereinfacht und beschleunigt den Workflow im Labor, und trägt so zur effizienten und präzisen Diagnostik bei, selbst bei komplexen Anforderungen.

  1. Ärzteblatt.de. (2023). Zu häufiger Einsatz von Antibiotika bei Atemwegsinfektionen. https://www.aerzteblatt.de/news/zu-haeufigem-einsatz-von-antibiotika-bei-atemwegsinfektionen-c1e9f0eb-d1af-41af-9695-dc26eb88112c

  2. Ärzteblatt.de. (2018). Atemwegsinfektionen: Antibiotika zu häufig eingesetzt. https://www.aerzteblatt.de/archiv/atemwegsinfektionen-antibiotika-zu-haeufig-eingesetzt-c6fb3f45-6440-4207-8326-161ca7bda236

  3. AOK. (2023). Antibiotikaverbrauch in Deutschland. https://www.aok.de/pp/bv/pm/antibiotikaverbrauch-in-deutschland/

  4. WHO Europa. (2023). Antibiotikamissbrauch bekämpfen, sonst wirken die Medikamente nicht mehr. https://www.who.int/europe/de/news/item/23-11-2023-control-antibiotic-misuse-or-the-drugs-won-t-work--warn-who-experts

  5. Publisso.de. (n.d.). Hygienic & Infectious Disease Control 2020; 13 (2). https://series.publisso.de/en/journals/hic/volume13/dgkh000310

  6. Trillium.de. (2024). Fachkräftemangel in medizinischen Laboren: Bedrohung oder Chance für die Diagnostik von morgen?https://www.trillium.de/zeitschriften/trillium-diagnostik/trillium-diagnostik-ausgaben-2024/sonderheft-fachkraeftemangel-im-medizinischen-labor/fachkraeftemangel-im-medizinischen-labor/fachkraeftemangel-in-medizinischen-laboren-bedrohung-oder-chance-fuer-die-diagnostik-von-morgen.html

Links zu Websites Dritter werden im Sinne des Servicegedankens angeboten. Der Herausgeber äußert keine Meinung über den Inhalt von Websites Dritter und lehnt ausdrücklich jegliche Verantwortung für Drittinformationen und deren Verwendung ab.