Diabetes mellitus ist viel mehr als nur eine Stoffwechselerkrankung – er betrifft zahlreiche Organsysteme und erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen signifikant. Besonders im Fokus: die komplexen Zusammenhänge zwischen Diabetes, Herzinsuffizienz und Lebererkrankungen. Diese sind zentral für die medizinische Versorgung und erfordern einen interdisziplinären Blick, der Laborparameter gezielt einsetzt und individuelle Risikofaktoren frühzeitig erkennt.¹

  1. Die Diabetes-Leber-Achse: Diabetes begünstigt MASLD/MASH und Fibrose – umgekehrt ist MASLD mit höherem Risiko für Diabetes Typ 2 und kardiovaskuläre Ereignisse verbunden.²

  2. Die Diabetes-Herz-Achse: Diabetes trägt zu myokardialer Lipoxizität, diastolischer Dysfunktion, myokardialer Fibrose und Herzinsuffizienz bei.²

  3. Die Leber-Herz-Achse: Eine verfettete und entzündete Leber erhöht das Risiko für Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.²

Diese drei Krankheitsbereiche bilden eine eng miteinander verknüpfte pathophysiologische Trias. Gemeinsame Mechanismen wie Insulinresistenz, chronische Entzündung und Lipotoxizität verstärken sich gegenseitig. Eine ganzheitliche Behandlung, die diese Zusammenhänge berücksichtigt, kann die Lebensqualität und Prognose von Menschen mit Diabetes erheblich verbessern.

Herzinsuffizienz

Diabetes mellitus kann zu einem strukturellen Gewebeumbau des Herzens sowie zu Rhythmusstörungen führen – Veränderungen, die das Herz auf lange Sicht erheblich schädigen und die Leistungsfähigkeit stark einschränken können¹. Eine der häufigsten kardiovaskulären Folgeerkrankungen bei Diabetes ist die Herzinsuffizienz¹, die Diabetiker:innen im Vergleich zu Nicht-Diabetiker:innen ca. zwei- bis vierfach häufiger und früher entwickeln.³ Bei bis zu 30 % aller Patient:innen mit Diabetes liegt bereits eine Herzinsuffizienz vor.³ Das Problem: In der Frühphase sind die Symptome einer Herzinsuffizienz oft unspezifisch. Deshalb ist sie nur schwer zu diagnostizieren⁴ und wird häufig nicht erkannt.⁵

Biomarker NT-proBNP

Bei der Diagnostik einer Herzinsuffizienz haben sich natriuretische Peptide wie der Biomarker NT-proBNP etabliert.¹ Seine Verwendung kann helfen, bei Patient:innen mit entsprechenden Symptomen und Anzeichen den Verdacht auf eine Herzinsuffizienz frühzeitig zu bewerten. Aufgrund des hohen negativ prädiktiven Wertes kann bei negativem Testergebnis eine Herzinsuffizienz weitestgehend ausgeschlossen werden – auch ohne Echokardiographie.⁶

Expertenwissen

Herz unter Druck: NT-proBNP hilft bei der Diagnose von Herzinsuffizienz

Herzschwäche wird oft zu spät erkannt. Dabei bietet NT-proBNP einen exzellenten Marker, betont Dr. Klaus Edel im Praxisinterview.

Mehr erfahren

Kardiologische Risiken bei Diabetes: Auf diese Labormarker kommt es an

Biomarker können auf gefährliche Risiken hinweisen – oft früh genug für eine Therapie. Ein Beitrag von Prof. Dr. Stephan Jacob.

Mehr erfahren

Biomarker bei Diabetes: Warum Lp(a) und NT-proBNP so wichtig sind

Lp(a) und NT-proBNP sind für Prof. Dr. Ulrich Laufs fester Bestandteil der Diagnostik. Warum das so ist, erklärt der Kardiologe im Interview.

Mehr erfahren

Fettleber (MASLD)

MASLD (Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease) ist eine schnell wachsende Gesundheitsherausforderung⁷ – fast jeder vierte Mensch in Europa ist davon betroffen. Besonders häufig weisen Patient:innen mit Typ-2-Diabetes und/oder Metabolischem Syndrom eine MASLD auf. Die große Gefahr liegt dabei in der Leberfibrose – der fortschreitenden Vernarbung, die zu Zirrhose und dem hepatozellulärem Karzinom (HCC) führen kann. Da die meisten Patient:innen zunächst asymptomatisch sind, bleibt diese oft bis zu einem fortgeschrittenen Stadium unbemerkt.⁸

ADAPT Algorithmus

Mit dem ADAPT Algorithmus steht nun ein digitaler Biomarker zur Verfügung, der den Fibrosegrad anhand eines schnellen und einfachen Scores bestimmt.⁹ Er eignet sich zur Diagnose der mindestens signifikanten (≥F2) und fortgeschrittenen Fibrose (≥F3).

Die Vorteile auf einen Blick:

  • Schnell, einfach und nicht-invasiv: ADAPT ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von Leberfibrose bei Patient:innen mit Typ-2-Diabetes oder Metabolischem Syndrom.

  • Insbesondere bei Patient:innen mit einem intermediären FIB4 (1,3-2,67) kann ADAPT die Entscheidungsfindung unterstützen.

  • ADAPT unterstützt eine gezielte Behandlung in der hepatologischen Abklärung.

  • ADAPT erleichtert eine effiziente Ressourcensteuerung und evidenzbasierte Entscheidungsfindung bei MASLD/MASH.

Podcastreihe "Ganzheitlich gedacht: Diabetes, Herz und Leber"

Unsere Podcast-Reihe richtet sich speziell an Ärztinnen und Ärzte und medizinisches Fachpersonal, die ihr Wissen über die integrative Behandlung dieser drei zentralen Gesundheitsbereiche vertiefen möchten. In jeder Episode bieten führende Experten wertvolle Einsichten für eine verbesserte Patientenversorgung.

Jacob, Stephan (Prof.), Villingen-Schwenningen

Prof. Dr. med. Stephan Jacob ist Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie und als niedergelassener Arzt in Villingen-Schwenningen in einer privaten Praxis für Prävention und Therapie tätig. Er ist Beiratsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Herz der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

In Folge 1 erklärt Prof. Dr. Jacob die Definition, Häufigkeit und klinische Relevanz von Hypoglykämien im Diabetesmanagement sowie Maßnahmen zur Verhinderung von Hypoglykämien.

Jacob, Stephan (Prof.), Villingen-Schwenningen

Prof. Dr. med. Stephan Jacob ist Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie und als niedergelassener Arzt in Villingen-Schwenningen in einer privaten Praxis für Prävention und Therapie tätig. Er ist Beiratsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Herz der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

In Folge 2 diskutiert Prof. Dr. Jacob das Prinzip der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM), praktische Erfahrungen, die erfassten Parameter und deren Interpretation, den Einfluss von CGM auf den Behandlungserfolg bei Typ-2-Diabetes sowie die aktuellen Leitlinien zur Nutzung von CGM.

Forst, Thomas (Prof.), Mainz

Prof. Dr. Thomas Forst aus Mannheim ist Endokrinologe, Diabetologe und Chief Medical Officer der CRS Medical Services Mannheim GmbH. Prof. Forst ist Sprecher der AG Diabetes und Herz der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

In Folge 3 bespricht Prof. Dr. Forst die Bedeutung von BNP und NT-proBNP in der Praxis, die Beurteilung dieser Werte, den Stellenwert von SGLT-2-Inhibitoren in der Therapie der Herzinsuffizienz sowie weitere Therapieoptionen für Herzinsuffizienz mit mittelgradig eingeschränkter oder erhaltener Ejektionsfraktion.

Laufs, Ulrich (Prof.), Leipzig

Prof. Dr. Ulrich Laufs, Leipzig ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin und als Klinikdirektor am Universitätsklinikum Leipzig tätig. Außerdem ist er Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

In Folge 4 erläutert Prof. Dr. Ulrich Laufs den klinisch-praktischen Mehrwert der Bestimmung von Lipoprotein(a), die bisherigen Interpretationshürden, die Indikationen und Häufigkeit der Bestimmung sowie das Vorgehen bei Nachweis einer erhöhten Lp(a)-Konzentration zur Abschätzung des kardiovaskulären Risikos.

Tacke, Frank (Prof.), Berlin

Prof. Dr. Frank Tacke ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie sowie für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie. Außerdem ist er Direktor an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie an der Charité in Berlin.

In Folge 5 erörtert Prof. Dr. Frank Tacke aus Berlin die Ursachen und Folgen einer Fettleber, die frühzeitige Identifikation von Menschen mit hohem Risiko für Leberfibrose, die Möglichkeiten zur Detektion bestehender Fibrosen in der Leber sowie die Gestaltung der transsektoralen Zusammenarbeit zur Erhaltung der Lebergesundheit.

Quellen

1 Marx N et al. 2023 ESC Guidelines for the management of cardiovascular disease in patients with diabetes. Eur Heart J 2023;44(39):4043–4140. doi.org/10.1093/eurheartj/ehad192
2 Michalopoulou E et al. The triad of risk: linking MASLD, cardiovascular disease and type 2 diabetes; from pathophysiology to treatment. J Clin Med 2025;14(2):428. doi.org/10.3390/jcm14020428
3 Schütt K et al. Positionspapier Herzinsuffizienz und Diabetes. Die Kardiologie 2022;16:358–371. doi.org/10.1007/s12181-022-00562-4
4 Nichols GA et al. Congestive heart failure in type 2 diabetes: prevalence, incidence, and risk factors. Diab Care 2001;24(9):1614–1619. doi.org/10.2337/diacare.24.9.1614
5 Taylor CJ et al. Practical guidance on heart failure diagnosis and management in primary care: recent EPCCS recommendations. Br J Gen Pract 2017;67(660):326–327. doi.org/10.3399/bjgp17X691553
6 Bayes-Genis A et al. Practical algorithms for early diagnosis of heart failure and heart stress using NT-proBNP: A clinical consensus statement from the Heart Failure Association of the ESC. Eur J Heart Fail 2023;25(11):1891–1898. doi.org/10.1002/ejhf.3036
7 Lazarus JV et al. A call for doubling the diagnostic rate of at-risk metabolic dysfunction-associated steatohepatitis. The Lancet Regional Health – Europe 2025;54. doi.org/10.1016/j.lanepe.2025.101320
8 Sookoian S et al. MASLD as a non-communicable disease. Nat Rev Gastroenterol Hepatol 2025;22(3):148–149. doi.org/10.1038/s41575-025-01039-x
9 Roche, Elecsys® PRO-C3 Method Sheet Mat-Nr: 09088423190, v1.0, 2025.

Standortelinkedintwitterinstagramyoutubesocial media community guidelinesZukunftslaborPolitik & Wirtschaft im DialogUmwelt & NachhaltigkeitImpressumRechtliche HinweiseDatenschutzBarrierefreiheitserklärungNewsletter

Links zu Websites Dritter werden im Sinne des Servicegedankens angeboten. Der Herausgeber äußert keine Meinung über den Inhalt von Websites Dritter und lehnt ausdrücklich jegliche Verantwortung für Drittinformationen und deren Verwendung ab.