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Um bestehende Versorgungslücken in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge zu schließen, müssen auch Frauen erreicht werden, die bislang nicht an Präventions- und Vorsorgeangeboten teilnehmen. Wie das gelingen kann, lesen Sie hier.

Das Zervixkarzinom zählt weltweit zu den vier häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. In Deutschland erkranken jährlich über 4.300 Frauen neu daran, weltweit sind es über 660.000.(1) Im Jahr 2022 starben allein hierzulande rund 1.400 Frauen an den Folgen der Erkrankung. (2)

Zwar existieren Präventionsangebote wie die HPV-Impfung sowie etablierte Früherkennungsprogramme. Diese werden bislang allerdings unzureichend genutzt: Nur 47 % der Frauen zwischen 20 und 34 Jahren bzw. 16 % der zwischen 35–39-Jährigen nehmen am organisierten Krebsfrüherkennungsprogramm (oKFE) teil (3).

Die vollständige HPV-Impfrate liegt bei 15-jährigen Mädchen bei 55 %, bei 15-jährigen Jungen sogar nur bei 34 %. (4) Damit verfehlt Deutschland die von der WHO gesetzten globalen Eliminationsziele derzeit deutlich. Diese sehen bis 2030 vor, dass:

  • 90 % der Mädchen bis zum Alter von 15 Jahren vollständig gegen HPV geimpft sind,

  • 70 % der Frauen bis 35 Jahre und erneut vor dem 45. Lebensjahr mittels Hochleistungstest untersucht werden,

  • 90 % der Frauen mit Vorstufen oder invasivem Gebärmutterhalskrebs behandelt werden.(5)

Um Frauen besseren Zugang zu Präventionsangeboten zu verschaffen und damit einen Beitrag zu leisten, die WHO-Ziele in Deutschland zu erreichen, haben sich Expert:innen der Gynäkologie und angrenzender Fachbereiche zu einer Experten-Community zusammengeschlossen (Abbildung 1). Regelmäßig treffen sie sich, um Hürden für die Nutzung von Präventionsangeboten zu identifizieren und Maßnahmen zur Steigerung der Teilnahme daraus abzuleiten. (6)

Wie Untersuchungen der Co-Creation-Community zeigen, sind die Gründe für die Versorgungslücken in der Gebärmutterhalskrebsprävention und -früherkennung vielfältig. Neben mangelndem Wissen – jeder zweiten Frau ist nicht bewusst, dass Gebärmutterhalskrebs durch HPV ausgelöst wird – gehören auch Ängste, Terminschwierigkeiten und fehlendes Bewusstsein für das Erkrankungsrisiko dazu. (6)

Mit dem Ziel, die Perspektive von Behandelnden in Erfahrung zu bringen und Optimierungsstrategien aufzuzeigen, führte die Co-Creation-Community unter der Leitung von Prof. Dr. Marion Kiechle und Prof. Dr. Sarah Schott zwischen Februar und April 2025 eine Online-Befragung zum Thema „Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge und relevante Kommunikationskanäle in der Gynäkologie“ durch, an der 106 Gynäkolog:innen teilnahmen.(7)

Die Umfrage ergab, dass etwa die Hälfte der Befragten spezielle Dysplasie-Sprechstunden anbietet. Die Teilnehmer:innen beurteilen ihren Kenntnisstand über das oKFE überwiegend als gut bis sehr gut. Ähnlich schätzten sie ihre Kenntnisse zur Doppelfärbung von p16/Ki-67 ein. Knapp 50 % der Gynäkolog:innen betrachten PAP und HPV-PCR als unabhängig voneinander relevant. (7)

Beim Extended Genotyping (xGT) ist der enntnisstand geringer: Unter 20 % bewerteten ihr Fachwissen darin als sehr gut.(xGT dient der Risikostratifizierung HPV-positiver Patientinnen. Damit können HPV-16/18, aber auch andere Hochrisiko-Typen untersucht werden.) (7)

Self Sampling wird aufgrund seines hohen Reichweitenpotenzials international zunehmend als Möglichkeit zur Reduktion von Versorgungslücken diskutiert. In den Niederlanden ist es bereits Teil des Versorgungsprogramms, in UK soll es voraussichtlich ab Anfang 2026 regelfinanziert werden. In der Umfrage der Co-Creation-Community gehen die Meinungen dazu auseinander: Unter 40 % der Umfrageteilnehmer:innen zeigten sich dieser Form der Vorsorge gegenüber aufgeschlossen. Der Rest äußerte sich skeptisch oder lehnten diese Form der Probennahme ab. (7)

Auch das Potenzial an Angeboten zur telemedizinischen Beratung (also die Arztkonsultation per Video- oder Telefonsprechstunde) wird hierzulande noch nicht ausgeschöpft, wie die Umfrage zeigte. Dabei bietet die Telemedizin erhebliche Chancen, Versorgungslücken zu schließen und Patient:innen effizienter zu begleiten. So könnte die Telemedizin beispielsweise eine sinnvolle Zwischenstufe zwischen HPV-Self-Samplings und persönlicher gynäkologischer Untersuchung darstellen. (7)

Neben medizinischen Aspekten wurden in der Umfrage auch kommunikative Aspekte der Gebärmutterhalskrebsvorsorge erhoben. Dabei zeigte sich unter anderem, dass Präsenzveranstaltungen und Fachzeitschriften eine zentrale Rolle bei der Informationsvermittlung spielen. Gleichzeitig haben digitale Formate wie Podcasts, Videocasts und Webinare an Bedeutung gewonnen. (7)

In der Kommunikation zwischen Ärzt:innen und Patient:innen könnten kreative alternative Kommunikationsformate helfen, die Versorgungslücke zu schließen. So haben sich Angebote wie ein „Tag der offenen Vorsorgetür“, niederschwellige Anlaufstellen („Gesundheitskioske“) speziell für sozial Benachteiligte sowie Aufklärungsaktionen in Schulen (z. B. über die Ärztliche Gesellschaft für Gesundheitsförderung e.V., ÄGGF) und Kindergärten bereits als erfolgreich erwiesen. (6)

Auch Social-Media-Initiativen stoßen auf wachsende Resonanz. (6). Der Anfang 2025 gestartete Instagram-Kanal @gehzumcheck, setzt sich für die Stärkung der Frauengesundheit ein, möchte aufklären und Frauen empowern, ihre Gesundheitsentscheidung in die Hand zu nehmen. (siehe Abbildung 2).

Um Versorgungslücken in der Gebärmutterhalskrebsvorsorge zu schließen, müssen auch die Frauen erreicht werden, die bislang nicht an der regulären Vorsorge teilnehmen. In alternativen Diagnostikangeboten mit hoher Reichweite wie Self Sampling oder Telemedizin steckt hierbei noch erhebliches ungenutztes Potenzial. Auch die Kommunikation mit den Patient:innen hat Verbesserungspotenzial. So könnten der Ausbau digitaler Informationsangebote und zusätzliche kreative Kommunikationsformate zu einer Teilnahmesteigerung an Vorsorgeprogrammen beitragen. Die Verknüpfung moderner Diagnostik mit verbesserter Kommunikation bietet die Chance, die Zervixkarzinom-Inzidenz weiter zu senken, um den WHO-Zielen 90-70-90 bis 2030 möglichst nahe zu kommen.

  1. WHO 2024. Online verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/cervical-cancer. Zuletzt abgerufen am 27.11.2025

  2. Gesundheitsforen Leipzig GmbH. (2024). Evaluationsbericht Zervixkarzinom (Version 1.3).

    OKFE Auswertungsstelle, Leipzig

  3. Hellfritsch J et al. Geburtshilfe Frauenheilkd 2025;85(4):417-433. doi: 10.1055/a-

    2502–6915. PMID: 40191552; PMCID: PMC11968141

  4. Kerst A, Gerlich M. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz.

    2025;68(4):378–387.

  5. WHO 2020. Online verfügbar unter:

    https://www.who.int/publications/i/item/9789240014107. Zuletzt abgerufen am 27.10.2025 

  6. Kiechle M et al. Frauenarzt 2024;12:878–882

  7. Kiechle und Schott et al., 2026 ahead of print

  8. National Institute for Public Health and the Environment, Netherlands. 2023. Online

    verfügbar unter: https://www.rivm.nl/en/cervical-cancer-screening-

    programme/professionals/innovation. Zuletzt abgerufen am 27.10.2025 

  9. Rebolj M et al. International journal of cancer 2023;153(1):8–19.

  10. Huntington S et al. Future Oncology 2024:1–12

  11. Cancer Research UK 2025. Online verfügbar unter:  NHS England adding at-home HPV

    testing to the cervical screening programme - Cancer Research UK - Cancer News. Zuletzt

    abgerufen am 27.10.2025 

  12. GOV.UK. Online verfügbar unter:  https://www.gov.uk/government/news/home-testing-

    kits-for-lifesaving-checks-against-cervical-cancer? Zuletzt abgerufen am 27.10.2025 

  13. Winer RL et al. JAMA 2023;330(20):1971–1981

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