Troponin T:

Ein wertvolles Tool, auch bei der Risikostratifizierung

Der Troponin-Wert ist ein etabliertes und von den Leitlinien empfohlenes diagnostisches Hilfsmittel zur Abklärung bei Verdacht auf akuten Myokardinfarkt.¹ Aber nicht nur das: Er kann auch bei Personen ohne vorausgegangene Herzerkrankung wertvolle Hinweise auf eine Myokardschädigung geben.

Erschienen am {DATE} von {AUTHORS} in den Kategorien {CATEGORIES}

Weil der Serummarker Troponin T (TnT) eine Myokardschädigung zuverlässig anzeigt, ist er der aktuell aussagekräftigste Laborwert bei Verdacht auf einen Herzinfarkt. Seit über 10 Jahren wird zur Diagnose eines Myokardinfarkts das hochsensitive kardiale Troponin T (hs-cTnT) eingesetzt, das sowohl eine sehr sensitive als auch eine sehr spezifische Messung des Troponin-T-Wertes ermöglicht.

Ein hs-cTnT-Wert über 14 ng/L gilt per Definition zwar als pathologisch, kann jedoch außer dem akuten Herzinfarkt auch andere Formen der Myokardschädigung anzeigen.² In Verbindung mit anderen klinischen und diagnostischen Informationen kann der Biomarker helfen, Patient:innen bezüglich ihres langfristigen Risikos für Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt, koronare Revaskularisierung, ischämischen Schlaganfall, kardiovaskulären Tod sowie die Gesamtmortalität zu stratifizieren.³

Eine aktuelle schwedische Studie zeigt, wie nützlich hs-cTnT bei Patient:innen ohne akuten Herzinfarkt ist. Die retrospektive Analyse basiert auf Daten von 1001 Patient:innen, die mit Dyspnoe in der Notaufnahme aufgenommen wurden. Dort wurden die Troponin-T-Werte bestimmt und ein akuter Myokardinfarkt mit dem RETTS-A Triage Algorithmus ausgeschlossen.⁴ Die Patient:innen wurden im Rahmen der Studie auf Basis ihrer hs-cTNT-Werte in drei Gruppen eingeteilt: <15, 15–100 und >100 ng/L hs-TnT. Bei Personen mit erhöhten hs-cTNT-Werten, zeigte sich im Vergleich zu denen mit normalem hs-TNT-Wert (<15 ng/L) ein deutlich gesteigertes Risiko, in den nächsten drei Monaten zu versterben: Bei einem hs-TnT-Spiegel von 15–100 ng/L war das Risiko vervierfacht, bei Werten >100 ng/L sogar verzehnfacht.³

Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass hs-cTNT ein wichtiger Prädiktor für das Sterberisiko bei Patient:innen ist, die mit akuter Dyspnoe in die Notaufnahme kommen und keine kardiale Grunderkrankung haben. Dies gilt vermutlich auch für Patient:innen mit bestimmten Begleiterkrankungen wie Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz und Vorhofflattern. Weitere Studien wären hilfreich, um die Relevanz des Biomarkers hs-cTNT in dieser Patient:innengruppe zu bewerten und zu validieren und so die Risikostratifizierung zu verbessern.

Hochsensitives Troponin T unterstützt die Risikostratifizierung asymptomatischer Personen

Die Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) zur Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen aus dem Jahr 2021 empfehlen eine Risikoabschätzung, eine anschließende Beratung der Patient:innen und individuelle Behandlungsentscheidungen.⁵

Die NICE (The National Institute for Health and Care Excellence) Guidelines empfehlen die Identifizierung von Personen mit erhöhtem Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung bereits in der Primärversorgung – auch wenn bei diesen Menschen noch keine Herz-Kreislauferkrankung diagnostiziert wurde. Sie sollten gemäß NICE über ihre Möglichkeiten zur Prävention einer Herz-Kreislauferkrankung aufgeklärt und zu einem gesünderen Lebensstil motiviert werden. Dazu gehören eine gesunde Ernährung und ein aktives Leben, außerdem die Reduktion des Alkoholkonsums, Raucherentwöhnung und bei Übergewichtigen die Gewichtsreduktion.⁶

Leitlinienempfehlung: Beratung und individuelle Behandlung nach Risikoabschätzung

Zwar wird die Bestimmung des Biomarkers Troponin T zur Risikostratifizierung aktuell nicht in den Leitlinien empfohlen, einige Studien haben jedoch gezeigt, dass hochsensitive Troponine dazu beitragen können, das individuelle kardiovaskuläre Gesundheitsrisiko abzuschätzen und Maßnahmen zur Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen daraus abzuleiten.

Ausblick

Referenzen:

  1. European Heart Journal, Volume 44, Issue 38, 7 October 2023, Pages 3720–3826,

    https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehad191

  2. Thygesen K et al. Executive Group on behalf of the Joint European Society of Cardiology (ESC)/ American College of Cardiology (ACC)/American Heart Association (AHA)/World Heart Federation (WHF) Task Force for the Universal Definition of Myocardial Infarction. Fourth Universal Definition of Myocardial Infarction (2018). Circulation. 2018 Nov 13;138(20):e618-e651

  3. Elecsys Troponin T hs STAT Packungsbeilage. 2023-05, V 2.0 Deutsch.

  4. Wassman T et al. Myocardial injury defined as elevated high-sensitivity cardiac troponin T is associated with higher mortality in patients seeking care at emergency departments with acute dyspnea. BMC Emerg Med 23, 40 (2023).

    https://doi.org/10.1186/s12873-023-00787-w

  5. Eur Heart J. 2021 Sep 7;42(34):3227-3337. doi: 10.1093/eurheartj/ehab484.

  6. NICE Guidance 2023. Cardiovascular disease: risk assessment and reduction, including lipid modification. Online verfügbar unter:

    https://www.nice.org.uk/guidance/cg181 . Abgerufen am 13.11.2023

Autor

Weitere Artikel

Sie verlassen nun roche.de

Links zu Websites Dritter werden im Sinne des Servicegedankens angeboten. Der Herausgeber äußert keine Meinung über den Inhalt von Websites Dritter und lehnt ausdrücklich jegliche Verantwortung für Drittinformationen und deren Verwendung ab.