Nach der europäischen Zulassung einer neuen Antikörper-Wirkstoff-Therapie beim platinresistenten Ovarialkarzinom im letzten Jahr hat auch der begleitende Folatrezeptor-Alpha (FRα / FOLR1) -Assay nun die klinische Routine erreicht. Prof. Dr. Nikolaus de Gregorio, Chefarzt am Klinikum Heilbronn, sprach mit uns über seine Erfahrungen mit der neuen Therapieoption und ihrer begleitenden Diagnostik.
Das Ovarialkarzinom zählt in Deutschland weiterhin zu den größten onkologischen Herausforderungen: Es ist die fünfthäufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen und verantwortlich für rund fünf Prozent aller weiblichen Krebstodesfälle.(1)
Seit Ende 2024 steht mit Mirvetuximab-Soravtansin (ELAHERE®) erstmals eine gezielte Therapieoption für erwachsene Patientinnen mit serösem epithelialem Ovarial-, Tuben- oder primärem Peritonealkarzinom, die zuvor ein bis drei systemische Behandlungslinien erhalten haben, zur Verfügung.(2) Der Wirkstoff ist ein Antibody Drug Conjugate (ADC), dessen Nutzen maßgeblich von der zuverlässigen Identifikation geeigneter Patientinnen mit Hilfe von begleitenden immunhistochemischen FOLR1-Testungen abhängt.
Über Chancen und praktische Herausforderungen der Therapie und ihrer Companion Diagnostic sprechen wir im folgenden Interview mit Prof. Dr. Nikolaus de Gregorio, Chefarzt am Klinikum Heilbronn.
Chefarzt am Klinikum Heilbronn
Herr Prof. Dr. de Gregorio, inwieweit hat Mirvetuximab-Soravtansin die Therapielandschaft beim Ovarialkarzinom verändert?
de Gregorio: Mirvetuximab-Soravansin wirkt zielgerichtet auf Zellen, die den Folatrezeptor-Alpha vermehrt exprimieren. Seine Zulassung als Therapieoption für Frauen mit platinresistentem Ovarialkarzinom ist bahnbrechend, da diese Form von Eierstockkrebs äußerst schwer zu behandeln ist und es in den letzten zehn Jahren keine relevanten neuen Therapieoptionen in diesem Bereich gab. Erst die Mirasol-Studie (3) zur Therapie mit Mirvetuximab-Soravtansin, in der ich als Principal Investigator mitwirken durfte, konnte einen Gesamtüberlebensvorteil belegen. Etwa ein Drittel der Patientinnen in dieser Situation weist die notwendige hohe Expression des Folatrezeptor-Alpha Biomarkers auf und kann von einer Therapie mit dem ADC profitieren. Um diese Frauen zu identifizieren, brauchen wir zuverlässige Assays.
Seit Januar 2025 steht uns dafür ein klinisch validierter Test für den Folatrezeptor alpha zur Verfügung. Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht, Zugang zu einem validierten Diagnostikum zu haben?
de Gregorio: Allgemein ist es im Hinblick auf unsere Patientinnen äußerst wichtig, dass Companion Diagnostics schnell verfügbar sind. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, dann auch den Test einzusetzen, der in der Zulassungsstudie genutzt wurde, weil dieser den Bedingungen der Zulassungsstudien am besten entspricht.(4)
Um Patientinnen zu selektieren, die am wahrscheinlichsten von der Testung profitieren, gibt es einen klinisch validierten Cut-off für die Expression von Folatrezeptor-Alpha. Wie gehen Sie mit Testergebnissen um, die knapp darunter liegen?
de Gregorio: Aus der klinischen Perspektive kann ich sagen, dass wir solche grenzwertigen Fälle glücklicherweise selten sehen. Im Zweifel würde ich empfehlen, die Tumorheterogenität zu berücksichtigen und den Tumor zusätzlich an einer anderen Stelle zu testen. Dann gelangt man vielleicht zu klareren Ergebnissen. In diesem Zusammenhang möchte ich betonen, dass wir uns im Zweifel natürlich immer zum Wohle der Patientin entscheiden.
Wird aus klinischer Sicht die Relevanz der Therapie und ihres Companion Diagnostics in Zukunft weiter zunehmen?
de Gregorio: Ich gehe davon aus, dass die Therapie, die aktuell für die platinresistente Situation ab der zweiten Linie zugelassen ist, sich irgendwann ihren Platz in früheren Therapielinien sichern wird. Studien dazu laufen bereits.
Schultz A et al. Faktenblatt: Epidemiologie des Ovarialkarzinoms in Deutschland / Factsheet: epidemiology of ovarian cancer in Germany. Die Onkologie 2025;31(8): DOI:10.1007/s00761-025-01757-6
Moore KN et al. Mirvetuximab Soravtansine in FRα-Positive, Platinum-Resistant Ovarian Cancer. N Engl J Med 2023;389:2162-2174
Deutschman E et al. Arch Pathol Lab Med. 2025 Oct 1;149(10):930-937.
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