Mycoplasma genitalium ist ein Bakterium, das beim Geschlechtsverkehr übertragen wird und eine häufige Ursache für Harnröhrenentzündungen bei Frauen und Männern sein kann. Seine Besonderheit: Mycoplasmen gehören zu den kleinsten Bakterien überhaupt und leben direkt in den Körperzellen.¹

Auf unserer Website findest Du alle wichtigen Informationen rund um eine Infektion mit Mycoplasma genitalium.

Es gibt zahlreiche Erreger, die beim Sex oder intimen Handlungen übertragen werden können. Der erste Schritt zur Prävention ist, offen darüber zu sprechen. Ein Test kann Klarheit bringen und bei einem positiven Befund zur entsprechenden Therapie beitragen.

Mycoplasma genitalium wird vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen – in der Regel von Genital zu Genital. Auch beim Analverkehr kann man sich anstecken, während die Übertragung durch Oralverkehr selten ist. Eine Ansteckung von der Mutter auf das Kind während der Geburt ist möglich, kommt aber vermutlich selten vor.²

Disclaimer: Die in diesem Teilabschnitt verwendeten Wörter „Frau“ und „Mann“ beziehen sich auf das Vorhandensein von weiblichen bzw. männlichen Geschlechtsorganen.

Viele Infektionen mit Mycoplasma genitalium bleiben unbemerkt, da keinerlei Beschwerden auftreten.⁵ Bei Frauen passiert das in rund 40–75 % der Fälle, bei Männern sogar in über 95 %. Wenn doch Symptome auftreten, sind am häufigsten der Genital- oder Harnbereich betroffen.²

  • veränderter oder verstärkter Ausfluss

  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen

  • Zwischenblutungen, Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr oder verstärkte Regelblutungen

  • seltener: Schmerzen im Unterbauch (weisen auf Unterleibsentzündungen hin)

  • Ausfluss aus der Harnröhre

  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen

  • Juckreiz im Genitalbereich

  • Brennen im Genitalbereich

Unbehandelt kann eine Infektion mit Mycoplasma genitalium zu unterschiedlichen gesundheitlichen Folgen führen.

  • Harnröhrenentzündung

  • Unterleibsentzündungen (Endzündung des Gebärmutterhalses, Entzündung der Gebärmutter, Entzündung der Eileitern)

  • möglicherweise Eileiter-bedingte Unfruchtbarkeit (wahrscheinlich, weitere Studien erforderlich)

  • mögliche negative Auswirkungen auf Schwangerschaft (möglicherweise, weitere Studien erforderlich)

  • sexuell erworbene reaktive Arthritis (SARA)

  • Harnröhrenentzündung (akut, anhaltend oder wiederkehrend)

  • Entzündung der Rektumschleimhaut

  • seltener: Vorhaut- und Eichelentzündung

  • selten: Nebenhodenentzündung

  • selten: sexuell erworbene reaktive Arthritis (SARA)

Der Nachweis erfolgt über spezielle Labortests, sogenannte Nukleinsäure-Amplifikationstests (PCR). Diese Tests suchen gezielt im Urin oder in Abstrichen nach dem Erbgut (DNA) des Bakteriums. Zum Beispiel im Urin, in einem Abstrich aus dem Gebärmutterhals oder aus der Harnröhre.² ³

Wichtig ist, dass bei einem positiven Testergebnis immer auch auf Antibiotika-Resistenzen untersucht wird, da viele Stämme in Europa bereits unempfindlich gegenüber bestimmten Medikamenten (Makroliden) sind.²

Bei Symptomen oder konkretem Verdacht auf Mycoplasma genitalium können die Kosten in der Regel über die Krankenkasse abgerechnet werden. Viele Aidshilfen, Gesundheitsämter oder Checkpoints bieten ebenfalls Tests an, die oft anonym und mit Beratung durchgeführt werden.

Eine Behandlung von Mycoplasma genitalium ist wichtig, um die Ansteckung weiterer Personen zu verhindern und mögliche Folgeerkrankungen zu vermeiden. Da das Bakterium oft Resistenzen gegen gängige Antibiotika aufweist, ist die Wahl des richtigen Medikaments entscheidend. Ein Test auf Antibiotikaresistenzen sollte deshalb idealerweise vor Beginn der Therapie durchgeführt werden.²

Die Behandlung kann in mehreren Schritten erfolgen, um die Heilungschancen zu erhöhen und Resistenzen zu vermeiden. Welches Medikament eingesetzt wird, hängt davon ab, ob der Erreger bereits unempfindlich gegenüber bestimmten Wirkstoffen ist oder ob eine erste Therapie nicht erfolgreich war.²

Bei komplizierten Infektionen – zum Beispiel einer Becken- oder Nebenhodenentzündung – ist oft eine längere Behandlung nötig. Nach Abschluss der Therapie sollte frühestens nach drei Wochen ein Kontrolltest gemacht werden. Bis das Ergebnis negativ ist, solltest du beim Sex unbedingt ein Kondom verwenden.²

Ja. Mit der richtigen Antibiotikabehandlung kann eine Mycoplasma genitalium Infektion geheilt werden. Wichtig ist, dass du alle verschriebenen Medikamente vollständig einnimmst und sie nicht mit anderen teilst. Auch deine Sexualpartner sollten untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. So lässt sich ein sogenannter Ping-Pong-Effekt vermeiden, was bedeutet, dass ihr euch sonst gegenseitig immer wieder anstecken könntet.

Die Behandlung stoppt die Infektion und senkt dein Risiko für spätere Komplikationen – bereits entstandene Schäden kann sie aber nicht rückgängig machen. Weil immer mehr resistente Erreger auftreten, geh bitte erneut zu deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn deine Symptome nach einigen Tagen nicht verschwinden.⁴

Unbehandelt kann M. genitalium über Monate oder sogar Jahre im Körper verbleiben. Studien zeigen bei Männern eine mittlere Persistenz von über 140 Tagen, bei Frauen wurden Infektionen über mehr als drei Jahre nachgewiesen. Auch nach Abklingen der Symptome kann der Erreger weiterbestehen.⁶

Warte, bis du und deine Sexualpartner die Behandlung komplett abgeschlossen habt und keine Symptome mehr habt. Du kannst dich erneut anstecken, wenn du ungeschützten vaginalen oder analen Verkehr mit einer infizierten Person hast.⁴

Ja. Studien zeigen, dass M. genitalium bei Menschen mit HIV häufiger vorkommt – sowohl im Genital- als auch im Analbereich. Zudem weisen Forschungsergebnisse darauf hin, dass eine M.-genitalium-Infektion das Risiko erhöhen kann, sich mit HIV anzustecken oder HIV weiterzugeben.⁵

Zu den Risikofaktoren zählen eine höhere Zahl an Sexualpartnern, jüngeres Alter beim ersten Geschlechtsverkehr und eine inkonsistente Kondomnutzung. Die Verbreitung ist in den meisten Regionen bei Männern und Frauen ähnlich.⁶

  1. Mycoplasma genitalium. (2024, 20. November). DEXIMED – Deutsche Experteninformation Medizin. https://deximed.de/home/klinische-themen/infektionen/patienteninformationen/bakterielle-infektionen/mycoplasma-genitalium

  2. Jensen, J., Cusini, M., Gomberg, M., Moi, H., Wilson, J. & Unemo, M. (2022). 2021 European guideline on the management of Mycoplasma genitalium infections. Journal Of The European Academy Of Dermatology And Venereology, 36(5), 641–650. https://doi.org/10.1111/jdv.17972

  3. Admin & Admin. (2025, 19. März). MGEN: The STI you’ve (Probably) never heard of. American Sexual Health Association. https://www.ashasexualhealth.org/sti-youve-probably-never-heard/

  4. About Mycoplasma genitalium. (2025, 31. Januar). Mycoplasma Genitalium (Mgen). https://www.cdc.gov/mgen/about/index.html

  5. Gnanadurai, R. & Fifer, H. (2019). Mycoplasma genitalium: A Review. Microbiology, 166(1), 21–29. https://doi.org/10.1099/mic.0.000830

  6. ClinicalKey. (o. D.). https://www.clinicalkey.com/#!/content/playContent/1-s2.0-S0891552023000193?returnurl=https:%2F%2Flinkinghub.elsevier.com%2Fretrieve%2Fpii%2FS0891552023000193%3Fshowall%3Dtrue&referrer=https:%2F%2Fpubmed.ncbi.nlm.nih.gov%2F

  7. MVZ Labor Dr. Reising-Ackermann und Kollegen GbR. (2021). Mycoplasma genitalium. https://www.limbachgruppe.com/downloads/webshop/laboraktuell/LaborAktuell_Mycoplasma_WEB.pdf

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